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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Amerikanische Linke tragen häufiger eine Gesichtsmaske als Rechte

Dienstag, 18. August 2020

Es ist Mitte August 2020 und noch immer dominiert SARS-CoV2 die mediale Bericht­erstattung. Man spricht von einer zweiten Welle in den USA und einige aus meinem Umfeld haben die USA für den Rest des Jahres 2020 verlassen, weil sie das Land als unsicher ansehen. Ob das am wirtschaftlichen Einbruch, der Zunahme der Unruhen oder der weiterhin bestehenden Covid-19-Pandemie liegt, haben sie mir nicht verraten, wollen aber frühestens im Januar 2021 in die USA zurückkehren. Man sieht, es besteht Unsicherheit in den USA.

Ähnlich wie in vielen europäischen Ländern gibt es auch in den USA eine hitzige Debatte über den Nutzen und die Notwendigkeit einer Gesichtsmaske. Obwohl es vor allem den Bundesstaaten obliegt für das Tragen einer solchen Mund- und Nasen-Bedeckung zu sorgen bzw. Gesetze zu erlassen, tragen viele Amerikaner selbst jetzt schon freiwillig eine solche Maske.

Hierbei zeigen Umfragen wie die Akzeptanz solcher Gesichtsbedeckungen immer mehr zunimmt, wie sie auch aufzeigen wie immer mehr Menschen sie tragen – mittlerweile mehr als drei Viertel aller Amerikaner.

Die einzelnen Regionen unterscheiden sich aber voneinander, es gibt aber auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern, Ethnien und vor allem der politischen Grundeinstellung. Beispielsweise tragen Frauen häufiger eine solche Gesichtsmaske als Männer, Nichtweiße ebenfalls häufiger als Weiße. Weiterhin scheinen Menschen im Nordosten der USA besonders häufig eine Mund-Nase-Abdeckung zu tragen, während die Menschen des Mittleren Westen wohl als das gelten würden, was manche in deutschsprachigen Medien als „Maskenmuffel“ bezeichnen.

Faszinierend ist aber vor allem, das sich die politische Ausrichtung stark im Tragen einer solchen Maske niederschlägt. Solche Menschen, die sich politisch als eher links bezeichnen, tragen deutlich häufiger eine Gesichtsbedeckung und folgen damit den Vorgaben staatlicher und gesundheitlicher Behörden als jene Menschen, die sich politisch eher rechts einordnen. So tragen 88% aller amerikanischen Linken (also Anhänger der demokratischen Partei) immer eine Gesichtsmaske, Stand Anfang August 2020, während das nur 45% aller Rechten, also Anhänger der Republikaner, tun. Quelle ist eine Befragung des amerikanischen Gallup-Institutes.

Die allermeisten Europäer können derzeit nicht in die USA reisen, aber wer einen Amerikaner mit Gesichtsmaske sieht, kann mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vorhersagen, welche Partei oder Präsidentschaftskandidat sie oder er am ehesten wählen wird – der Maskenträger wählt Joe Biden, der sein Gesicht nicht bedeckende Amerikaner Donald Trump.

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Sonntag, 6. September 2020, 23:20

Ein nicht ganz ernster Vorschlag

Dann sollten zur Wahl alle Wahllokale in zwei getrennte Bereiche geteilt werden, einen für Maskenträger und einen für Maskenverweigerer. Dies hätte gleich drei Vorteile:
1. Gibt es weniger Ärger mit der Briefwahl, da alle Bürger wählen können.
2. Sorgen räumlich getrennte Warteschlangen für weniger Streß vor dem Wahllokal.
3. Könnte man für die erste Hochrechnung die Urnen einfach auf eine Waage stellen.
Avatar #827591
MattySyntax
am Sonntag, 30. August 2020, 15:50

Die Macher...

Die Rechten sind populistische Angstmacher und die Linken populistische Angsthasen.
Avatar #734334
benedikthuebner
am Mittwoch, 19. August 2020, 15:18

Kollege Peter Niemann

Sehr geehrter Herr Niemann,


Bitte nehmen Sie den Kommentar von Herrn Schaetzler nicht zu ernst. Ich lese Ihre Berichte aus den USA immer gerne und mit Freude, nicht zuletzt wegen Ihrer persönlichen Perspektive auf das Land und die Menschen.

Meine Beobachtung ist, dass oftmals in Foren Kommentare der vielen Leser fehlen, die die Beiträge regelmäßig mit Interesse und Wertschätzung lesen. Das hier ist so einer.
: )


Beste Grüße aus Berlin
Ihr Benedikt Hübner

PS
Herr Kollege Schaetzler scheint für seine Kommentare bereits bekannt. Siehe: https://www.aerzteblatt.de/forum/123375
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 19. August 2020, 07:42

Kollege Peter Niemann!

Können Sie bitte Ihre oft einfältigen, von bescheidenem sozialwissenschaftlichen Horizont geprägten bzw. von selbstbezogenen politischen Fehleinschätzungen begleiteten Einlassungen unterlassen.

Ihr: "Solche Menschen, die sich politisch als eher links bezeichnen, tragen deutlich häufiger eine Gesichtsbedeckung und folgen damit den Vorgaben staatlicher und gesundheitlicher Behörden als jene Menschen, die sich politisch eher rechts einordnen. So tragen 88% aller amerikanischen Linken (also Anhänger der demokratischen Partei) immer eine Gesichtsmaske, Stand Anfang August 2020, während das nur 45% aller Rechten, also Anhänger der Republikaner, tun" ist von infantilem Freund-Feind-Denken und Schwarz-Weiß-Malerei geprägt. Demokraten sind nicht automatisch "Linke" und Republikaner "Rechte" bzw. umgekehrt.

Der ungebremste Gebrauch von Schusswaffen gegen sich selbst und Andere ist für die USA ebenso pathognomonisch, wie der maligne Narzissmus und niederträchtige Hass auf alle Andersdenkenden ihres amtierenden Präsidenten Donald Trump.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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