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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Donald Trumps Verordnung für günstigere Medikamente

Freitag, 25. September 2020

Das Thema teure Medikamente beschäftigt viele Politiker, auch in den USA. Auf der einen Seite betrifft es natürlich Patienten (und damit auch Wähler), denn im amerikanischen Gesundheitswesen zahlt man immer einen gewissen Eigenanteil seiner Medikamente. In manchen Fällen werden hier drei- oder sogar vierstellige Beträge fällig. Auf der anderen Seite kostet es auch die Kran­ken­ver­siche­rungen sehr hohe Summen: So gab der amerikanische Staat alleine im Jahr 2017 etwa 330 Milliarden US-Dollar über die staatlichen Kran­ken­ver­siche­rungen für Medikamente aus (Quelle: https://www.cms.gov/Research-Statistics-Data-and-Systems/Statistics-Trends-and-Reports/NationalHealthExpendData/downloads/highlights.pdf).

Das ist sehr viel Geld. Trotzdem haben amerikanische Politiker bisher keine Lösung gefunden diese Summe zu verringern, auch wenn die Diskussionen zwischen den Politikern der republikanischen und der demokratischen Partei oft sehr kontrovers sind. Auch der letzte Präsident, Barack Obama, hatte eine Senkung versprochen, diese aber nicht erreicht.

Der gegenwärtige Präsident Donald Trump hat sein selbstgestecktes Ziel einer Senkung dieser Medikamentenkosten ebenfalls bisher nicht erreicht. In einem Interview behauptete er dies zwar jüngst (Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=Gfz1bJnc4WE), aber die (vorläufigen) Statistiken die mir vorliegen, geben das nicht wirklich her.

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Aber Fakt ist, dass Donald Trump tatsächlich mehrere Verordnungen mit genau diesem Ziel erlassen hat. Als amerikanischer Präsident hat er eine große Exekutivmacht und am 13. September 2020 erließ er die bis dato weitreichendste Verordnung. Durch den etwas sperrig als „bevorzugteste-Nation-Preis“ bezeichneten Sachverhalt nimmt der amerikanische Staat sich hiermit das Recht heraus, als „bevorzugteste Nation“ nur jenen Preis an ein Pharma­unternehmen zu zahlen, den diese Firma weltweit als niedrigsten von irgendeinem anderen Land X verlangt.

Wenn also – hypothetisch gesprochen – das Chemotherapeutikum Bevacizumab in Mexiko für 100 US-Dollar an eine Kran­ken­ver­siche­rung oder Krankenhaus verkauft wird, aber derzeit in den USA das Hundertfache kostet, dann wird die amerikanische Gesundheitsbehörde bzw. CMS zukünftig nicht mehr $10.000 sondern eben $100 dafür zahlen (Quelle: https://www.whitehouse.gov/presidential-actions/executive-order-lowering-drug-prices-putting-america-first-2/).

Die Verordnung ist nun also in Kraft getreten und aktuell arbeitet man an ihrer Umsetzung. Es kommen natürlich Widerstände seitens der Pharmaindustrie, und Donald Trump beschwert sich, es würden nun diverse Zeitungs- und Fernsehenanzeigen gegen ihn geschaltet. Es ist Wahlkampf, also erscheint das durchaus legitim, wenn Pharmaunternehmen sich wehren. Doch vor allem wird mich interessieren, ob seine Verordnungen langfristig etwas bewirken – für das Portemonnaie der Patienten hoffe ich darauf.

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