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SARS-CoV-2: Lockdown führte zu weniger Frühgeburten

Montag, 19. Oktober 2020

Die Zahl der Frühgeburten ist in den letzten Jahrzehnten in vielen reicheren Ländern stetig gestiegen. Die Gründe sind unklar. Es gibt aber eine Reihe von Spekulationen. Sie betreffen den vermehrten Lebensstress, dem Schwangere heute ausgesetzt sind, vor allem wenn sie berufstätig sind. Auch die fehlende Unterstützung durch die (Groß)-Familie könnte von Bedeutung sein.

Tatsächlich zeigen Untersuchungen, dass erhöhte Cortisolspiegel mit einer Frühgeburt­lichkeit assoziiert sind. Schichtarbeit, wechselnde und lange Arbeitszeiten gelten ebenfalls als Stressoren. In den letzten Jahren wurde auch die Luftverschmutzung als möglicher Auslöser beschrieben. Ein weiterer Risikofaktor sind Infektionen, die zu einem verfrühten Ende der Schwangerschaft beitragen können.

In allen diesen Punkten hat sich während des Lockdowns die Situation für Schwangere verbessert. Die Arbeit und der Verkehr ruhten. Die Familien verbrachten mehr Zeit mitein­ander. Die Luftqualität hat sich vielerorts gebessert. Soziale Distanzierung und Mund-Nasen-Bedeckung haben das Infektionsrisiko nicht nur für SARS-CoV-2 gesenkt.

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Eine mögliche Folge war ein Rückgang der Frühgeburten, der vor allem bei den Geburten mit sehr niedrigem Geburtsgewicht (VLBW, unter 1.500 Gramm) spürbar war. Mediziner der Universitätsklinik in Limerick berichten über einen Rückgang der VLBW-Geburten um 73 % nach dem Lockdown. In Dänemark ging die Zahl sogar um 91 % zurück.

Eine Untersuchung aus den Niederlanden zeigt, dass die einzelnen Phasen des Lockdowns unterschiedliche Auswirkungen hatten. Den größten Rückgang (um 23 % bei allen Früh­geburten und um 52 % bei den Geburten vor der 25. Woche) gab es nach dem 9. März, als vom Händeschütteln abgeraten und zur Verwendung von Papiertaschentüchern und zum Niesen oder Husten in den Ellbogen geraten wurde. Personen mit Erkältungssymptomen oder Fieber wurde damals geraten, zuhause zu bleiben.

Am 12. März wurden die Maßnahmen verschärft. Jetzt wurden größere öffentliche Veran­staltungen und Kontakte mit älteren Menschen untersagt. Die Arbeit sollte jetzt nach Möglichkeit im Homeoffice erledigt werden. Dies führte erneut zu einem Rückgang der Frühgeburten. Der Ausschlag war aber nicht so stark wie beim ersten Mal. Als dann am 15. März auch noch die Schulen und Horte geschlossen wurden, war kein weiterer Rückgang mehr erkennbar.

Alle 3 Studien sind nur deskriptiv. Sie können nicht ermitteln, welche Faktoren für den Rückgang verantwortlich waren. Die Studie zeigt jedoch, dass die Lebensumstände junger Frauen nicht auf eine Schwangerschaft ausgelegt sind, in der viele in Zukunft die Ruhe vermissen werden, die ihnen der Lockdown verschafft hat. Maßnahmen zur Prävention von Frühgeburten müssten eigentlich hier ansetzen.

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