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Warum überstehen Kinder SARS-CoV-2 mit weniger Antikörpern?

Freitag, 6. November 2020

Die COVID-19-Pandemie hält auch für Immunologen Überraschungen bereit. Eine besteht darin, dass Kinder, die ansonsten keine Atemwegsinfektion auslassen, eine Infektion mit SARS-CoV-2 gut wegstecken.

Ein Team um die Immunologin Donna Farber von der Columbia University in New York hatte vermutlich erwartet, dass das Immunsystem von Kindern schneller und konsequenter auf eine Infektion reagiert, etwa indem es eine größere Menge neutralisierender Antikörper bildet. Die Untersuchung von 46 Kindern ergab jedoch, dass die Antikörperantwort wesentlich schwächer ausfiel als in einer Gruppe von 32 Erwachsenen.

Bei den Erwachsenen war es nach der Infektion zu einem starken Anstieg der Antikörper (IgG) gekommen, wobei der Titer der Antikörper, die gegen das Spike-Protein (Anti-S) gerichtet sind, mit dem Alter zurückging, wie dies aufgrund der Immunseneszenz zu erwarten war. Nur bei den Antikörpern gegen das N-Protein (Anti-N) stiegen die Titer mit dem Alter an.

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Dies ist laut Farber allerdings weniger ein Ausdruck einer starken Immunantwort, als eine Konsequenz der starken Virusreplikation. Das N-Protein ist Bestandteil des Virusinneren. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Immunsystem Antikörper dagegen produziert, steigt mit der Zahl der neu gebildeten Viren.

Bei den Kindern war sowohl die Menge der Anti-S- als auch der Anti-N-Antikörper geringer als bei den Erwachsenen. Bei den Anti-N-Antikörpern lässt sich dies plausibel durch die milden Verläufe der Erkrankungen erklären. Es gibt weniger Viren und damit weniger N-Proteine, die das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern reizen könnte.

Warum allerdings weniger Anti-S-Antikörper gebildet werden, ist derzeit unklar. Diese Antikörper sollen eigentlich die weitere Ausbreitung der Viren verhindern. Die wahrschein­lichste Erklärung für die niedrigen Titer ist laut Farber, dass das angeborene Immunsystem, bei dem sich benachbarte Zellen durch die Freisetzung von Interferonen gegenseitig helfen, bei Kindern besser funktioniert. Die Infektion ist besiegt, bevor die Antikörper in Aktion treten könnten.

Auch eine rasche zelluläre T-Zell-Antwort könnte helfen. Kinder verfügen über ein größeres Reservoir an naiven T-Zellen, die noch nicht auf einen Gegner geprägt sind. Die US-Forscher wollen dies jetzt in weiteren Studien untersuchen. Es bleibt abzuwarten, ob sie dabei auf weitere Überraschungen stoßen.

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Avatar #759489
MITDENKER
am Samstag, 7. November 2020, 12:42

Auch ein alter Hut

Wenn im Artikel formuliert wird: "Die wahrschein­lichste Erklärung für die niedrigen Titer ist laut Farber, dass das angeborene Immunsystem, bei dem sich benachbarte Zellen durch die Freisetzung von Interferonen gegenseitig helfen, bei Kindern besser funktioniert. Die Infektion ist besiegt, bevor die Antikörper in Aktion treten könnten." ... dann ist das offensichtlich richtig so und wurde auch seit Monaten von den Coronamassnahmen-Kritikern so gesagt. Dass die T-Zellen und die IGA-Abwehr die Hauptrolle spielt. Bereits im Juli war im ÄRZTEBLATT zu lesen: "T-Zellen können nach Kontakt zu saisonalen humanen Coronaviren auch Struk­tu­ren des SARS-CoV-2-Virus erkennen. Das legt eine Studie der Universitätsklinik Tübingen nahe, die Mitte Juni als Vorveröffentlichung erschienen ist".
Mehr aktuelles wird hier ausgeführt:
"https://www.heise.de/tp/features/Herdenimmunitaet-ohne-Antikoerper-4919315.html
LNS
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