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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Wie sicher sind Schulöffnungen?

Montag, 1. Februar 2021

In vielen Ländern drängen Eltern und Pädagogen auf die Wiedereröffnungen der Schulen, während Epidemiologen dies mit gemischten Gefühlen betrachten. Einige Studien der letzten Monate, auf die eine Mitarbeiterin der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2021; DOI: 10.1001/jama.2021.0374) hinweist, könnten hier aufschlussreich sein.

So ließ die CDC im letzten Jahr im US-Staat Mississippi 397 Kinder und Jugendliche (oder ihre Eltern) im Alter von 2 bis 18 Jahren mit SARS-CoV-2-Infektion (154) oder ohne SARS-CoV-2-Infektion (243) befragen. Der wichtigste Risikofaktor für eine Infektion war mit einer adjustierten Odds Ratio (aOR) von 3,2 (95-%-Konfidenzintervall 2,0 bis 5,0) ein enger Kontakt (über mehr als 15 Minuten in weniger als 6 Fuß Entfernung) zu einer infizierten Person außerhalb der Schule. Es folgten Geburtstagspartys und andere Kinderfeste (aOR 3,3; 1,3 bis 8,4) sowie die Teilnahme an privaten Veranstaltungen wie Hochzeiten, Partys oder Beerdigungen (aOR 2,4; 1,1 bis 5,5). Auch Besucher in der Wohnung (aOR 1,9; 1,2 bis 2,9) waren mit einem erhöhten Risiko verbunden. Das Tragen von Masken durch Schüler und Lehrer in der Schule könnte nach dem Bericht im Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR 2020; 69: 1925-1929) das Risiko dagegen deutlich senken (aOR 0,4; 0,2 bis 0,8).

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Die Schulen in North Carolina haben gute Erfahrungen mit einem Hydrid-Modell gemacht, bei dem ein Teil der Schüler in der Schule unterrichtet wurde und die anderen von zuhause aus am Unterricht teilnahmen. In den Schulen galten die 3W-Regeln („wear a mask, wait 6 feet, wash hands“). Nach einem Bericht in Pediatrics (2021; DOI: 10.1542/peds.2020-048090) haben sich innerhalb von 9 Wochen, in denen die Infektionen zurückverfolgt wurden, nur 32 Kinder in der Schule infiziert, aber 773 außerhalb der Schule.

Auch in „K12-Schulen“ (Kindergarten bis Klasse 12) in Wisconsin ist es unter einer allgemeinen Maskenpflicht für Lehrer und Schüler (Compliance über 92 %) unter den 4.876 Schülern und 654 Mitarbeitern während 13 Wochen zu 191 Infektionen gekommen, von denen laut der Publikation in MMWR (2021; DOI: 10.15585/mmwr.mm7004e3) nur 7 auf eine Übertragung in der Schule zurückzuführen waren.

Ein Report des European Centre for Disease Prevention and Control ermittelte im Dezember 2020 in einer Umfrage in den Mitgliedsländern nur eine begrenzte Anzahl von Ausbrüchen an Schulen (zwischen 1 Cluster in Lettland und 400 in Spanien), die in der Regel auf weniger als 10 Fälle beschränkt waren.

Andererseits gibt es auch Berichte über Superspreader-Ereignisse an Schulen. In Israel wurden nach dem ersten Lockdown am 3. Mai die Schulen schrittweise wieder geöffnet. Nach nur 10 Tagen kam es in einem Gymnasium in Israel (7. bis 12. Klasse) zu den ersten beiden Infektionen. Die Testung aller Personen ergab, dass sich 153 Schüler (Attack Rate: 13,2 %) und 25 Mitarbeiter (Attack Rate: 16,6 %) mit COVID-19 infiziert hatten. Einschließlich der Verwandten und Freunde hatte es 260 Infektionen gegeben. Die Publikation in Eurosurveillance (2020; 25: 2001352) machte überfüllte Klassenzimmer (mit 30 Schülern pro Klasse), ein Aussetzen von der Maskenpflicht über mehrere Tage (während einer ungewöhnlichen Hitzewelle) und Klimaanlagen (mit Abkühlung der zirkulierenden Luft) für die rasche Verbreitung verantwortlich.

Auch Schulveranstaltungen können leicht zum Ausgangspunkt einer Epidemie werden, wie die Untersuchung eines Ausbruchs zeigt, zu dem es nach einer Sportveranstaltung in Florida kam. Während eines „Wrestling“-Wettbewerbs infizierten sich mindestens 30 % der Sportler (vielleicht auch mehr, weil nur jeder zweite getestet wurde). Die Nachverfolgungen (2021; DOI: 10.15585/mmwr.mm7004e4) ergaben, dass 18 von 30 getesteten Haushaltskontakten und 23 von 65 au­ßer­häus­lichen Kontaktpersonen der Sportler ebenfalls angesteckt wurden.

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