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Warum Frauen häufiger unter Zoom-Müdigkeit leiden

Montag, 19. April 2021

Videokonferenzen sind für viele Menschen anstrengender als die früheren Sitzungen, die in COVID-19-Zeiten selten geworden sind. Psychologen sprechen von einer Zoom-Müdigkeit, an der laut einer Studie der Stanford Universität Frauen häufiger leiden als Männer.

Die US-Forscher haben 10.591 Personen, die täglich an Videokonferenzen teilnehmen, nach ihren Erfahrungen befragt. Zunächst erkundigten sie sich nach der Häufigkeit der täglichen Videokonferenzen. Frauen nahmen in etwa an gleich vielen Videokonferenzen teil wie Männer. Sie dauerten bei ihnen jedoch länger, und die Pausen dazwischen waren entsprechend kürzer, was der Kommunikationswissenschaftler Jeffrey Hancock als erhöhte „Burstiness“ bezeichnet. Sie ist ein möglicher Faktor für die Zoom-Müdigkeit, erklärt allerdings nicht, warum Frauen zu 13,8 % und damit mehr als doppelt so häufig unter einer Zoom-Müdigkeit litten als Männer, die zu 5,5 % einen erhöhten Wert auf der „Zoom Exhaustion & Fatigue Scale“ angaben.

Hancock macht 5 non-verbale Mechanismen für die Zoom-Müdigkeit verantwortlich. Alle scheinen bei Frauen häufiger zu sein als bei Männern. Der erste Mechanismus ist eine Spiegelangst. Bei einer Videokonferenz sehen die Teilnehmer nicht nur die anderen Teilnehmer, sondern auch sich selbst. Dies kann negative Emotionen auslösen, da die Teilnehmer durch den Spiegelblick irritiert werden und auch darauf stärker achten, wie sie von anderen Personen erlebt werden. Frauen gaben auf gezielte Fragen häufiger an, dass sie sich durch die Selbstspiegelung belastet fühlen. Ein einfaches Gegenmittel ist laut Hancock, die Kamera zwischenzeitig auszuschalten.

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Der 2. Mechanismus ist das Gefühl, physisch gefangen zu sein. In persönlichen Meetings können Menschen auf und ab gehen, sich bewegen und strecken, bei Videokonferenzen ist ihre Mobilität auf einen engen Lichtkegel reduziert. In einer Videokonferenz verlässt man nicht ohne Grund das Blickfeld der anderen Teilnehmer. Auch das Gefühl der Gefangenheit hat nach den Umfragen Frauen stärker belastet als Männer. Laut Hancock war es sogar noch vor der Spiegelangst der größte Stressor. Hancock rät, den Abstand zur Kamera und damit den Aktionsradius zu vergrößern.

Der 3. Mechanismus ist der „Hyperblick“. Er ergibt sich daraus, dass bei einer Videokonferenz die Teilnehmer ständig die Augen aller anderen Teilnehmer in ihrem Sichtfeld haben. Das kann vor allem für den Redner anstrengend sein. Während er bei einer persönlichen Besprechung jeweils nur 1 Teilnehmer ansieht und dessen Reaktion testet, merkt er bei einer Videokonferenz, dass alle ihn anstarren, was Stress und Angst erzeugen kann. Auch hier sind Frauen eher belastet als Männer.

Die beiden übrigen Mechanismen betreffen die non-verbale Kommunikation. Bei einer Videokonferenz kann es schwerer sein, sich durch Gestik und Mimik verständlich zu machen, oder aber die Gestik und Mimik anderer Menschen zu inter­pretieren. Der Aufwand sowohl für das Handeln als auch für die Wahrnehmung und Interpretation ist laut Hancock erhöht und damit ein Stressmoment.

Neben dem Geschlecht beeinflussen auch Persönlichskeitmerkmale die Belastung durch Videokonferenzen. Extrovertierte Menschen waren laut Hancock weniger erschöpft als introvertierte. Ruhige, emotional stabile Menschen kamen besser mit der Situation zurecht als ängstliche Menschen, die möglicherweise auch von der durch den digitalen Spiegel ausgelösten Selbstaufmerksamkeit betroffen waren.

Auch das Alter spielte eine Rolle: Jüngere Personen berichteten in der Studie über ein höheres Maß an Zoom-Müdigkeit als ältere Umfrageteilnehmer.

Generell rät Hancock, die Videokonferenzen auf ein notwendiges Maß zu beschränken. An mindestens einem Tag in der Woche sollte am besten ganz auf Videokonferenzen verzichtet werden./rme

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