Dr. werden ist nicht schwer...

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Das PJ ist überstanden, das Examen rückt näher. Die Doktorarbeit wartet und bei der Wahl der Facharztrichtung gibt es mehr Optionen als bei einer Frage des IMPP. Dieser Blog begleitet den Weg von Anton Pulmonalis ins Examen und in die Zeit danach.

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Dr. werden ist nicht schwer...

Morbus Mütze

Dienstag, 17. Februar 2009

Es wäre gelogen, wenn ich die Kursteilnahme als ausschließlich entspannt bezeichnen würde. Sicherlich wirkt das Repetitorium der Angst vor dem Examen beruhigend entgegen. Auf der anderen Seite befinde ich mich wieder in einem Zustand, den ich wahrscheinlich auch vor dem Physikum hatte, aber anscheinend wieder verdrängt habe.

Dieser Zustand ist schwer zu beschreiben. Das IMPP würde den Fall wohl wie folgt schildern:

Ein Medizinstudent befindet sich in der Examensvorbereitung. Im Rahmen eines Repetitoriums nimmt er täglich an intensiven Lehrveranstaltungen teil. Seit einigen Wochen hat er zunehmend Schwierigkeiten, einfache Tätigkeiten wie Einkaufen, Emails beantworten oder auf den Brief der Kran­ken­ver­siche­rung zu reagieren, weil er das Gefühl hat, dass der ganze Tag aus Examensvorbereitung besteht und den restlichen Alltag verdrängt. Zudem fällt ihm auf, dass er zunehmend Wortfindungsstörungen hat, die sich vor allem beim Telefonieren äußern. Er beschreibt die Situation wie folgt: „Wenn ich telefoniere, fühle ich mich oft, als schalte mein Gehirn einfach ab“. Der Student wendet stellt sich nun, knapp zwei Monate vor seinem schriftlichen Examen bei Ihnen vor. Was sagen Sie dem Studenten?

A) „Sie leiden vermutlich an einem Mayer-von-Rokitansky-Küster-Syndrom.“

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B) „Sie verschweigen mir ihren Drogenkonsum. Auf dieser Vertrauensbasis kann ich sie auf keinen Fall behandeln.“

C) „Sie haben definitiv einen an der Waffel. Ich tippe auf Morbus Mütze.“

D) „Das ist doch ganz normal. Was meinen sie, was ich damals durchgemacht habe? Lernen sie lieber, anstatt ihre Zeit hier zu verplempern.“

E) „Da bin ich jetzt überfragt. Ich würde ein MRT und eine Perfusionsszintigraphie die Gehirns machen und sicherheitshalber alle Tumormarker bestimmen.“

Wer diese Frage falsch gekreuzt hat (die richtige Lösung ist D) würde im Kommentar der gelben Reihe nachschauen und folgende Erklärung finden:

Bei dieser Frage ist nach dem Ausschlussprinzip vorzugehen. Da der Student keine Frau ist, hat er keine weiblichen Geschlechtsorgane, was wiederum bedeutet, dass keine Fehlanlage von Uterus und Vagina (Mayer-von-Rokitansky-Küster-Syndrom) stattgefunden haben kann. A ist falsch. Bei der Lösung B versucht das IMPP sie irrezuführen. Da sie aber wissen, dass das IMPP keine Ahnung von Drogen hat (siehe auch Rechtmedizin: Schlangenlinien fahren bei THC-Konsum), ist diese Lösung eher unwahrscheinlich. Bleiben noch C), D) und E).

C) Hier ist das IMPP wieder mal zu weit gegangen. Die Kenntnis des ICD-11 vorauszusetzen ist definitiv übertrieben. Morbus Mütze fasst im ICD-11 die Störungen F00-F99 und G00-G99 des ICD zusammen.

D) Jedem, der sich in der späten Vorbereitungsphase befindet, müsste diese Lösung einleuchten. Wie krank müsste man sein, damit man sich wirklich die Zeit für einen Arztbeuch nimmt? Ansonsten ist bei dieser Lösung die Aussage „Was meinen sie, was ich damals durchgemacht habe?“ wegweisend. Hier wendet der Arzt die psychologische Problemanalyse nach Bartling offensichtlich nicht an. Leuchtet doch ein, oder?

E) Das ist sicherlich übertrieben. Würde keine Kasse zahlen. Und da im Text nirgends erwähnt ist, dass der Student privat versichert ist, sollte diese Lösungsmöglichkeit ausscheiden.

Ich denke, dass auch ohne das Verständnis des Falls deutlich geworden ist, was ich eingangs meinte, oder?

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