DÄ plusBlogsLesefrüchtchenWetten, dass der Gesundheitsfonds noch lange leben wird
Lesefrüchtchen

Lesefrüchtchen

Aus berufs- und standespolitischem Blickwinkel kommentiert der Journalist Norbert Jachertz, Köln/Berlin, “Vermischtes” – von harter Politik bis zu beiläufigen Ereignissen.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Lesefrüchtchen

Wetten, dass der Gesundheitsfonds noch lange leben wird

Montag, 6. April 2009

Jetzt, drei Monaten seit Inkrafttreten des Gesundheitsfonds zeigen sich zunehmend seine Macken (vgl. z.B. den "Spiegel" vom 6. April). Etwa wenn einzelne Kassen versuchen, mehr Geld aus dem Fonds zu bekommen, indem sie die "hierarchisierten Morbiditätsgruppen" manipulieren oder durch Ärzte manipulieren lassen. 

Die schlichte, nachträgliche Verfälschung von Diagnosen ist zwar aufgeflogen und vom Bundesversicherungsamt, dem Verwalter des Fonds, als rechtswidrig gekennzeichnet worden. Doch es gibt unauffälligere Methoden, der Morbiditat ein wenig nachzuhelfen. So bekommt eine Kasse pro Monat und Versicherten, der an Herzinsuffizienz leidet 98,201 Euro mehr, bei koronarer Herzkrankheit aber nur 45,8338 Euro. Versicherte Kinder mit dem populären Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) bringen monatlich 105,8875 Euro mehr ein (alle Zahlen aus der BVA-Bekanntmachung Nr. 2 vom 31. März 2009). Man darf gespannt sein, ob sich das Verhältnis von Herzinsuffizienz und koronarer Herzkrankheit demnächst wandelt und ob ADS weiter an Beliebtheit gewinnt.

Forderungen, den Gesundheitsfonds wegen solch eingebauter Macken oder des bürokratischen Apparates zu kippen, werden ins Leere laufen. Bis zur Wahl wird gar nichts passieren und danach wenig. Denn erinnern wir uns an die Entstehungsgeschichte. Jeder wußte, dass der Gesundheitsfonds ein Monstrum sein würde. Und doch haben ihn CDU, CSU (ja, auch die) und SPD 2007 durchgebracht. Er sollte nämlich zwei unvereinbare Gegensätze in der Koalition überbrücken.

Die SPD wollte die Bürgerversicherung, die Christunion die Kopfpauschale. Der Gesundheitsfonds sollte der Platzhalter sein, bis sich entweder das eine oder andere Konzept realisieren liesse. Nach der Wahl, nach dem Ende der großen Koalition. Also warten wir erst mal ab, was nach dem Wahlherbst 2009 geschieht.

Wahrscheinlich wenig. Denn staatliche Institutionen, die mal geschaffen sind, lassen sich nur schwer wieder abschaffen. Der Gesundheitsfonds hat zudem für jeden Politiker seinen Reiz, er bringt Macht. Die Bundesregierung, egal welcher Couleur, kann von sich aus die Kassenbeiträge festsetzen, sie kann über das ihr unterstellte Bundesversicherungsamt die Kran­ken­ver­siche­rung am langen oder auch kurzen Zügel führen. Alles ohne die ihr lästige Selbstverwaltung. Wetten also, dass jede Bundesregierung interessiert sein wird, den Gesundheitsfonds am Leben zu erhalten?

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
Alle Blogs
Gesundheit
Gesundheit
Vom Arztdasein in Amerika
Vom Arztdasein in Amerika
Frau Doktor
Frau Doktor
Pflegers Schach med.
Pflegers Schach med.
Dr. werden ist nicht schwer...
Dr. werden ist nicht schwer...
Global Health
Global Health
Dr. McCoy
Dr. McCoy
Das lange Warten
Das lange Warten
Sea Watch 2
Sea Watch 2
PJane
PJane
Praxistest
Praxistest
Res medica, res publica
Res medica, res publica
Studierender Blick
Studierender Blick
Britain-Brain-Blog
Britain-Brain-Blog
Unterwegs
Unterwegs
Lesefrüchtchen
Lesefrüchtchen
Gratwanderung
Gratwanderung
Polarpsychiater
Polarpsychiater
praxisnah
praxisnah