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Aus berufs- und standespolitischem Blickwinkel kommentiert der Journalist Norbert Jachertz, Köln/Berlin, “Vermischtes” – von harter Politik bis zu beiläufigen Ereignissen.

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Patienten sortieren

Dienstag, 12. Mai 2009

Mit seinem Vorschlag, Patienten nach Prioritätsstufen zu sortieren und Behandlungsmaßnahmen nach den zehn wirksamsten Methoden zu staffeln, hat Bundes­ärzte­kammer-Präsident Hoppe eine Lawine losgetreten. Übrigens rechtzeitig vor dem Deutschen Ärztetag, der am 19. Mai beginnt und ein wenig Publicity gut gebrauchen kann.

Vor allem die Überlegung, Patienten, die nicht willens sind, ihren Lebensstil zu ändern, notfalls Medikamente selbst bezahlen zu lassen, erregte Aufsehen. Dabei spricht Hoppe aus, was unter dem Schlagwort "Priorisierung von Gesundheitsleistungen" längst diskutiert wird. Unter Fachleuten, auf Tagungen, abstrakt. Wenn der dicke Bürger nun liest, dass er gefälligst Diät halten soll statt auf Kassenkosten den Cholesterinsenker zu schlucken, dann merkt jedermann/frau, dass er/sie Objekt der Priorisierung sein wird.

Für Ärzte sind Hoppes Gedanken nicht ohne. Die herkömmliche Berufsauffassung, Patienten ohne Ansehen der Person und der Erkrankung zu behandeln, wird ausgehebelt. Wenn, wie vorgeschlagen, ein Gesundheitsrat aus Ärzten, Ethikern, Juristen und Patientenvertretern die Rangfolge von Behandlungsmaßnahmen festlegt, dann ist die Therapiefreiheit endgültig passé.

Beachtlich, dass ausgerechnet der oberste Ärzte-Repräsentant solche Gedanken ventiliert. Hoppe hat in dem Interview mit der online-Ausgabe der Frankfurter Rundschau vom 8. Mai, das die bis heute anhaltende Diskussion ausgelöst hat, seinen Grund genannt.

Er baut ein Drohinszenario auf: so kann´s kommen, wenn das Gesundheitswesen anhaltend unterfinanziert ist. Gesundheitspolitiker und Kassenchefs aber werden die jetzt los getretene Lawine, die die Therapiefreiheit zu überrollen droht, in aller Gelassenheit beobachten.

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