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Aus berufs- und standespolitischem Blickwinkel kommentiert der Journalist Norbert Jachertz, Köln/Berlin, “Vermischtes” – von harter Politik bis zu beiläufigen Ereignissen.

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Insulin im Verdacht: Das IQWiG-Interesse

Montag, 29. Juni 2009

In der Juli-Ausgabe der Zeitschrift Diabetologia, die gerade ins Netz gestellt wurde, stehen vier Artikel, die dem Verdacht, Insulin-Analoga könnten Krebs begünstigen, nachgehen (http://www.diabetologia.org/). Berichtet wird über vier statistische Auswertungen, je eine aus Deutschland, Schweden, England und Schottland. Die deutsche Studie deutet auf ein leicht erhöhtes Krebsrisiko von Diabetes-II-Patienten hin, die das Langzeit-Insulin Glargin (Lantus) einnehmen.

Das konkurrierende Detemir wurde nicht untersucht, die kurz wirksamen Insulinanaloga Lispro und Aspart bergen offenbar kein Risiko. Die übrigen Studien sind kaum auf einen Nenner zu bringen, einerseits Risiko, andererseits doch keins. Die Herausgeber von Diabetologia dringen auf weitere Untersuchungen.

Das alles ist normales wissenschaftliches Geschäft. Irgendwann klärt sich was. Nicht normal ist allerdings, dass das IQWiG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) aus Köln die noch halbgaren Erkenntnisse der deutschen Studie umgehend herauspustet.

Tenor: mögliches Krebsrisiko bei Glargin. Patienten lasen daraus schnell: Insulin unter Krebsverdacht (solche Ängste hätte das IQWiG voraus ahnen können). Die Presse behandelte die Studie wie bare Wissenschaft. Was sie nicht ist. Sie stammt vielmehr aus dem IQWiG selbst und dem Wissenschaftlichen Institut der Ortskrankenkassen (WidO), was die Autoren der Artikel in Diabetologia jedoch nicht daran hinderte, brav zu versichern, keinen Interessenkonflikten zu unterliegen.

Mit der Studie macht das IQWiG Politik. Es hat sich schon seit längerem auf die Insulinanaloga eingeschossen und empfiehlt Humaninsulin. Das ist nämlich billiger. Und das ist der springende Punkt! Eine Tagesdosierung Humaninsulin kostet 1,22 Euro, ein Tagesdosierung Analoga 1,62 Euro, hat der Arzneimittelreport 2008 ausgerechnet. Zudem werden die Analoga immer häufiger verschrieben. Im Sinne der Kostendämpfung wäre es folglich gar nicht so schlecht, wenn die Analoga allesamt in Verdacht gerieten. Das IQWiG, immerhin eine öffentliche Institution, wird solche Nebenabsichten hoffentlich nicht gehegt haben.

AOK-Versicherte erfahren aus dem Vorgang übrigens, dass die persönlichen Daten von 127.031 AOK-Patienten, wenn auch pseudonomisiert, für Interessen geleitete Forschungen verarbeitet wurden. Was sagen denn die Datenschützer?

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