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Aus berufs- und standespolitischem Blickwinkel kommentiert der Journalist Norbert Jachertz, Köln/Berlin, “Vermischtes” – von harter Politik bis zu beiläufigen Ereignissen.

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Ärztliche Versorgung: Liebe Grüße aus der DDR

Dienstag, 14. Juli 2009

In ihrem Interview mit Welt online (am 12. Juli) wartete Ulla Schmidt mit zwei Vorschlägen auf, wie die sich abzeichnende Mangelversorgung auf dem Lande strukturell zu beheben sei: Stipendien für Medizinstudenten, die sich verpflichten, nach dem Examen in Mangelgebieten zu praktizieren sowie zentrale Versorgungszentren, die in abgelegenen Dörfern Filialen einrichten. Schmidt stieß auf viel Interesse.

Vor allem die ostdeutschen Bundesländer brüten längst an Plänen, die den Schmidt-Ideen entsprechen. Stipendien planen alle; der Witz dabei soll sein, dass die Stipendiaten bereits während des Studiums mit Ärzten vom Lande zusammen gebracht werden, um praxisnah Einblick ins (reizvolle) Landarztleben zu bekommen. Zudem arbeiten die Universitäten Dresden und Leipzig an einem Projekt, bei dem angehende Mediziner auf die Tätigkeit als Landarzt vorbereiten werden sollen.

Oder nehmen wir Sachsen-Anhalt und sein Modellvorhaben "Transage" (= Transformation von Versorgung für eine alternde Gesellschaft). Beteiligt sind KV, AOK und die beiden Landesuniversitäten Magdeburg und Halle-Wittenberg. In den Regionen Stendal und Wittenberg werden modellhaft "vernetzte Versorgungszentren" entstehen, die Filialpraxen auf dem Land einrichten. 

Die Zentren können MVZ sein (an die Ulla Schmidt zu denken scheint) oder Kooperationen von Haus- und Facharztpraxen. Deren Filialen werden von Ärzten verschiedener Fachgebiete wechselweise besucht. Wo kein Arzt ist, dort soll ein "Mopra" (mobiler Praxisassistent) nach dem Notwendigsten sehen. In Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg heißt der/die "Schwester AGnES" (Arzt entlastende, Gemeindenahe, E-Health-gestützte, Systemische Intervention).

Auffallend an den unkonventionellen Modellen aus Ostdeutschland ist die Verwandtschaft mit früheren, bei der Wiedervereinigung vorschnell platt gemachten Strukturen: Versorgungszentren/Polikliniken, Schwester Agnes/Mopra/Gemeindeschwester (von denen es vor der Wende über 5.000 gab), Stipendien kombiniert mit Landpraktika. Die DDR lässt grüßen.

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Avatar #87250
adonis
am Freitag, 17. Juli 2009, 11:01

Auch diese beiden Vorschläge erhalten von mir das Prädikat:

Sch...!!!
Und ich bin froh Deutschland den Rücken gekehrt zu haben. Meinem Vorschreiber kann ich nur beipflichten.
ûbrigens der erste Vorschlag von Frau Schmidt entspricht ehr dem Volksturm als einer überlegten Idee. Wenn man halt mehr Ahnung davon hätte, wie die Realität aussieht, dann käme man auch auf bessere Ideen.
Avatar #91404
Stefan
am Mittwoch, 15. Juli 2009, 16:16

Im "platt machen" ist man tatsächlich wieder mal Weltmeister!

Da kann man Norbert Jachertz tatsächlich nur zustimmen! Im platt-machen ist Deutschland auf vielen Gebieten unschlagbar. Offenbar lernt man aber auch nie etwas: Weder aus der Vergangenheit noch aus den Erfahrungen in anderen Ländern. Die durchaus gewachsenen Strukturen aus der Ex-DDR sind aus dem Leidensdruck des Mangels entstanden. Aber wie nennt man dies nun hier? Erst Knappheit zwingt zu Innovationen? Politiker müssten nachsitzen! Während man im Gesundheitsbereich weitestgehend und relativ schnell "platt" machte, was Sinn hatte und jetzt gelegen käme, hat man es z.B. bei der Kinderversorgung nicht ganz so perfekt hinbekommen. Immerhin sind Kinder im Osten noch besser versorgt als im Westen. Aber platt gemacht wurde so viel, auch innerhalb und zwischen den alten Bundesländern, dass man dieses Geflecht kaum noch lösen wird können. Gelernt wird immer noch nur vor den wahlen, am einer Legislaturperiode. Danach geht alles auf Anfang und jeder darf wieder üben wie ein Erstklässler. Manche dieser Polit-essen nennt man gar "Gesundheitsexperten". Ist das nun ein Schimpfwort oder nicht?
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