DÄ plusBlogsGratwanderungDer Fall Caster Semenya – unzumutbare Geschlechtsstests
Gratwanderung

Gratwanderung

Von embryonaler Stammzellforschung bis Sterbehilfe – mit ethischen Themen vom Beginn bis zum Ende des Lebens werden Ärzte immer wieder konfrontiert. Gisela Klinkhammer, beim Deutschen Ärzteblatt zuständige Redakteurin für Medizinethik, setzt sich mit aktuellen Entwicklungen auseinander.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Gratwanderung

Der Fall Caster Semenya – unzumutbare Geschlechtsstests

Dienstag, 25. August 2009

Nur 1:55,45 Minuten benötigte die Südafrikanerin Caster Semenya bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin über 800 Meter. Ein sensationeller Triumph. Und doch bleibt ein bitterer Beigeschmack.

Der Leichtathletik-Weltverband (International Association of Athletics Federations, IAAF) meldete nämlich Zweifel an und forderte einen Geschlechtstest, um herauszufinden „ob sie eigentlich ein Mann ist“. Doch lässt sich das Geschlecht wirklich so einfach ermitteln?

Experten, wie Prof. Dr. med. Claudia Wiesemann, Universität Göttingen, meinen „nein“ und vertreten nachvollziehbar die Auffassung, dass im Fall Semenya leichtfertig ein Sportlerleben zerstört werde. So hat bereits die 800-Meter-Läuferin Santhi Soundarajan versucht, sich das Leben zu nehmen, als ihr nach den Asienspielen 2006 die Medaille aberkannt wurde, weil sie ein Y-Chromosom hat.

Dass dieser Befund für den Sport unerheblich ist, müssten eigentlich auch die Sportmedizin-Experten wissen. Denn das Internationale Olympische Komitee hat bereits im Jahr 2000 die Geschlechtstests abgeschafft. Das Geschlecht eines Menschen wird nämlich nicht nur durch die Gene bestimmt, sondern auch durch unterschiedliche Hormone, durch die Psyche und die Gesellschaft. Klare und objektive Kriterien für die Zuordnung als Mann oder Frau gibt es also nicht.

Diese Tatsache räumt auch die IAAF ein. Nur bei Geschlechtsumwandlung nach der Pubertät darf jemand vom Wettbewerb ausgeschlossen werden. Von daher ist es tatsächlich nicht zu akzeptieren, dass Funktionäre sich offenbar in ihren eigenen Richtlinien nicht auskennen und damit einer Diskriminierung von Sportlern Vorschub leisten können.

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #87250
adonis
am Mittwoch, 26. August 2009, 12:57

Also warum dann die Diskussion?

?????
LNS
Alle Blogs
Gesundheit
Gesundheit
Vom Arztdasein in Amerika
Vom Arztdasein in Amerika
Frau Doktor
Frau Doktor
Pflegers Schach med.
Pflegers Schach med.
Dr. werden ist nicht schwer...
Dr. werden ist nicht schwer...
Global Health
Global Health
Dr. McCoy
Dr. McCoy
Das lange Warten
Das lange Warten
Sea Watch 2
Sea Watch 2
PJane
PJane
Praxistest
Praxistest
Res medica, res publica
Res medica, res publica
Studierender Blick
Studierender Blick
Britain-Brain-Blog
Britain-Brain-Blog
Unterwegs
Unterwegs
Lesefrüchtchen
Lesefrüchtchen
Gratwanderung
Gratwanderung
Polarpsychiater
Polarpsychiater
praxisnah
praxisnah