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Aus berufs- und standespolitischem Blickwinkel kommentiert der Journalist Norbert Jachertz, Köln/Berlin, “Vermischtes” – von harter Politik bis zu beiläufigen Ereignissen.

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Merkels Party: Kluge Tischordnung

Mittwoch, 26. August 2009

So, so, da hat also FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher mit BASF-Chef Jürgen Hambrecht über Genetik geplaudert. Auch ansonsten scheint die Abendeinladung, die Angela Merkel zugunsten von Josef Ackermann von der Deutschen Bank im Kanzleramt ausrichtete, interessant gewesen zu sein. Dank der klugen Tischordnung, wie Schirrmacher in seinem selbstverliebten ("Ich habe bekannt, so richtet mich") Bericht vom heutigen Tag vermerkt. Dem klugen Mann scheint bis heute nicht bewußt zu sein, dass er einer das Übliche weit übersteigenden Beziehungspflege zwischen Politik und (Finanz-)Wirtschaft als Dekorum beiwohnen durfte.

Denn bei dieser Spesenaffäre geht es weniger um ein paar tausend Euro aus Haushaltsmitteln; die dürften formal so abgesichert sein wie die Dienstwagenfahrten von Ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt. Beklemmender ist das Beziehungsgeflecht zwischen Politik, Interessenvertretern der Wirtschaft und wenigen ausgewählten Medien (3xSpringer, 1xFocus, 1xFAZ), das aufgedeckt wird. Die unglaubliche Unterstützung der Finanzwirtschaft, die Monate nach der Party aufgebaut wurde, erscheint da in ganz neuem Licht.

Die Ackermann-Party, über die in Berlin längst geredet wurde, wäre ohne öffentliches Aufsehen über die Bühne gegangen, denn solcherlei Verfilzung der Interessen scheint unter der Berliner Käseglocke kaum jemand mehr zu stören. Doch wegen der Affäre Schmidt (SPD) sann man auf Revanche und wurde ganz oben fündig, bei Merkel (CDU).

Schirrmacher stellte seine Plauderei übrigens unter die Überschrift "Ich war dabei". Der Satz ist skandalumwittert. Franz Schönhuber, einer der Mitbegründer der Republikaner und zuvor ein bekannter Journalist gab seiner Autobiografie diesen Titel, er meinte die Waffen-SS, bei der er "dabei" war. Eine solche Assoziation hat der kluge Kopf mit seinem unverhohlen ironischen Kommentar (so der Branchendienst MEEDIA) gewiß nicht wecken wollen. 

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