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Alles ist besser anderswo... ja ist es das wirklich – und auch im Gesundheitswesen? Die Fachjournalistin Martina Merten berichtet über ihre Erlebnisse fernab von Deutschland.

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Sibirische Verhältnisse

Dienstag, 28. Dezember 2010

Nicht alles am deutschen Gesundheitswesen wirkt aus der Ferne betrachtet besser. Doch es lohnt sich immer wieder, weit entlegene Gegenden zu bereisen, um das eigene, oftmals negative Bild zumindest in Ansätzen zu revidieren. 

Waren Sie beispielsweise schon einmal in Sibirien? Wussten Sie, dass die Menschen dort aufgrund der strengen klimatischen Bedingungen und der katastrophalen Infrastruktur, gepaart mit endlosen Entfernungen, zum Teil neun Monate keine Möglichkeiten zum Aufsuchen eines Arztes haben? Wussten Sie auch, dass sich dort statistisch betrachtet noch nicht einmal ein Arzt (0,3) um 1000 Patienten kümmern muss? 

Gleichzeitig hat nach Angaben von Dr. L. Radchenko vom Medizinzentrum des Sibirischen Föderalbezirks in Novosibirisk ein Alterungsprozess innerhalb der Ärzteschaft eingesetzt, der die Studien der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) zur Altersstruktur und Arztzahlentwicklung in Deutschland in ganz neuem Lichte erscheinen lässt: Ärzte, die das sechzigste Lebensjahr überschritten haben, zählen zu den Jüngeren, unterstrich Radchenko am Rande des 9. Deutsch-Russischen Gesundheitsdialogs des Koch-Metschnikov-Forums in Novosibirsk Mitte Dezember. Nachfolger fehlten, schließlich wollten Ärzte in Russland noch weniger auf dem Land – noch dazu in Sibirien – praktizieren als deutsche Ärzte in Brandenburg. 

Immerhin, das Durchschnittsalter deutscher Vertragsärzte betrug 2009 nach KBV und BÄK Angaben knapp über 50 Jahre – das sind immerhin zehn Jahre jünger! 12,6 Prozent an berufstätigen Ärzten waren Ende 2009 älter als 60 Jahre. Was in Deutschland nach Vergreisung klingt, ist in Sibirien an der Tagesordnung.

Von den Maßnahmen, die unsere Kassenärztlichen Vereinigungen unternehmen, um mehr deutsche Ärzte aufs Land zu locken, können Ärzte in Sibirien nur träumen. Es fehlen schlichtweg die finanziellen Mittel, um Anreize für eine Tätigkeit auf dem Land oder in abgelegenen Regionen zu setzen.

Von einer funktionierenden Organisationsstruktur ganz zu schweigen. Das Wort Patientenrechte haben viele Menschen in Sibirien sicherlich noch nie gehört – vielerorts, sagt Radchenko, wüssten Patienten nicht einmal, mit welchen einfachen Mitteln sie sich selbst helfen können. „Unsere Patienten sind einfach mangelhaft aufgeklärt.“

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