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Warum Insulin im Gehirn dick macht

Dienstag, 7. Juni 2011

Viele Diabetiker nehmen unter einer Insulintherapie zu. Diabetologen führten dies bisher auf die peripheren Wirkungen des Hormons zurück, das im Körper für die Verteilung der Energiereserven zuständig ist. Neue Studien zeigen jedoch, dass das Übergewicht im Kopf entsteht und dass Insulin hierbei eine zentrale Rolle spielt.

Seit einiger Zeit ist bekannt, dass es im Gehirn Insulinrezeptoren gibt. Sie befinden sich im ventromedialen Hypothalamus. Diese Region kontrolliert beim Mensch die Energiehomöostase. Hier wird das Körpergewicht festgelegt. Der Sollwert wird durch eine Veränderung des Essverhalten und des Energieverbrauchs verteidigt, die sich bei den meisten Menschen als stärker erweisen als jeder Wille zur Diät.

Die Forschergruppe um Jens Brüning, Direktor am Max-Planck-Institut für neurologische Forschung in Köln vermutet nun, dass Insulin die Stellschrauben für die Energiehomöostase im Gehirn verschiebt und dass dies immer dann geschieht, wenn dem Körper über längere Zeit fetthaltige Nahrung im Überfluss zugeführt wird.

Dies sei eine sinnvolle evolutionäre Anpassung des Körpers an das in der Menschheitsgeschichte unregelmäßige Nahrungsangebot mit langen Hungerperioden. Der Körper legt gewissermaßen Reserven für schlechte Zeiten an. Da diese Hungerperioden in jüngster Zeit ausgeblieben sind, aber das Angebot an leckerer, vor allem fettreicher Nahrung zugenommen hat, werden die Menschen immer dicker.

Dass Insulin hierbei eine wichtige Rolle spielt, zeigen die Forscher durch Experimente mit Mäusen. Sie verglichen Tiere, bei denen der Insulin-Rezeptor auf den Hirnzellen fehlt, mit Mäusen, bei denen er intakt war. Bei normaler Ernährung fanden sie keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen.

Bekamen die Nager hingegen fettreiche Kost zu fressen, blieben diejenigen mit defektem Insulin-Rezeptor schlank, während ihre Artgenossen mit funktionsfähigem Rezeptor rapide an Gewicht zulegten. Verantwortlich für die Gewichtszunahme waren sowohl ein gesteigerter Appetit als auch ein verringerter Kalorienverbrauch.

Dies erklärt zum einen, warum es so schwer ist, eine Diät auf Dauer durchzuhalten. Es gilt nicht nur den Hunger zu überwinden, auch die verbesserte Energieverwertung im Körper verhindert den Erfolg. Zum anderen könnten sich aus den Forschungsergebnissen neue therapeutische Ansätze ergeben.

Denn wenn es gelänge, selektiv die Insulinrezeptoren im Gehirn auszuschalten, könnte eine Gewichtszunahme auch in Zeiten des Überflusses möglicherweise vermieden werden. Ob die Ergebnisse der Studie helfen, um eines Tages gezielt in den Energiehaushalt einzugreifen, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen.

Von einer praktischen Anwendung sei man momentan noch weit entfernt, erklärte Brüning. Das Ziel bestehe derzeit darin, die Entstehung von Hunger und Sättigungsgefühl zu verstehen. Erst wenn diese Grundlagenforschung abgeschlossen sei, könne man anfangen, Therapien zu entwickeln.

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