Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Die Schulden des Arztes

Freitag, 25. November 2011

Es ist wieder so weit: Bewerbungszeit und Tausende von Medizinstudenten fliegen durch die USA, um sich an diversen Krankenhäusern vorzustellen, um einen der begehrten Ausbildungsplätze zu ergattern. Auch in meinem Kickboxkurs ist solch ein Medizinstudent, der bei jedem Training über seinen Bewerbungsprozess berichtet. Angesichts des Bewerbungsdruckes erzählt auch viel über sich, fragt mich um Rat und möchte wissen, wie seine Chancen seien, an meinem und anderen Krankenhäusern unterzukommen.

Er selber ist 27 Jahre alt, also ein Jahr älter als der Durchschnittsstudent seines Jahrganges, hält ein Ingenieursdiplom und hat sehr gute Noten. Das macht ihn in toto zu einem interessanten Kandidaten. Daher mache ich ihm jedes Mal Mut, dass es wohl klappen wird, und er sich nicht so viele Sorgen machen solle. Er selber betont dann jedes Mal, wie froh er sei, endlich als Assistenzarzt im Juni des Jahres 2012 anfangen zu können. Der Weg sei lang gewesen.

Vor kurzem erzählte er mir, dass der Weg auch teuer gewesen sei: Knapp $220.000 Studienschulden habe er bis zu seiner Graduierung im Juni 2012 angehäuft; sagenhaft viele Schulden. Mit Blick auf die Lebenshaltungskosten und Studiengebühren der hiesigen Minnesotauniverstität (www.umn.edu und www.meded.umn.edu/handbook/financial.php) ist dieser Betrag zwar leicht überdurchschnittlich, aber nicht unrealistisch. Viele meiner Kollegen haben ähnlich hohe Schulden, wie ich seither auf Nachfrage erfuhr.

Was für ein Druck muss das für einen Medizinstudenten und Jungarzt doch sein. Die Freiwilligkeit, am Ende des Studiums eben doch nicht als Arzt zu arbeiten ist angesichts solcher Schuldenberge nicht gegeben; manche meiner deutschen Studienkollegen machten im Anschluss an ihr Studium eine Weltreise; solches kann sich ein durchschnittlicher US-Amerikaner nicht leisten.

Teilzeit, wenngleich das viel diskutiert wird, ist ebenfalls keine realistische Option. Es bleibt dann am Ende wohl nur das, was mein Kickboxkollege ebenfalls macht: So viele Vorstellungsgespräche wie möglich zu absolvieren, um im besten Ausbildungsprogramm unterzukommen. Um dann die Schulden, diese immensen Schulden, allmählich abzutragen. Der arme Kerl.

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Avatar #103205
Patroklos
am Dienstag, 29. November 2011, 14:01

Hart.

Das ist schon hart, nach dem Studium einen solch hohen Kredit zurückzahlen zu müssen.
Aus eigener Erfahrung(Studium von 1985-1991) mit 50000 DM rückzahlbarem, aber immerhin zinslosem BaföG- Darlehen in den Beruf gestartet, nötigt mir das Respekt ab. Die USA sind eben nur für Reiche ein angenehmes Land.
Avatar #110419
ÄrzteblattBenutzername
am Montag, 28. November 2011, 17:48

„Republikflucht“ - Mauertote

Andreas Skrziepietz, wollen Sie „Republikflucht“ wieder als Straftatbestand einführen?

Und: Gratis? Erst zahlt man 50% Steuern, dann erhält man allerlei „gratis“.
Avatar #98458
pajopapa
am Montag, 28. November 2011, 17:00

Menschenrechte?

Tja da haben Sie es! Mit abgeschlossenem Studium hat man in der Denke mancher die üblichen Menschrechte ( z.B. frei Wahl des Wohn- und Arbeitsortes ) verloren. Man hat sich dem Staat verkauft und muß sich erst wieder entsprechend frei kaufen!
Herr Skrziepietz- selbst in den USA wurde die Sklaverei abgeschafft!
Avatar #87388
Andreas Skrziepietz
am Sonntag, 27. November 2011, 15:58

Der arme Kerl.

ist das die ironie eines in deutschland gratis studiert und dann republikflucht begangen habenden???
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