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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Selbstzentrierte USA: Beispiel Studienseminare

Freitag, 6. Januar 2012

Jeden Mittwoch findet zur Mittagszeit eine von mir als „Studienseminar“ bezeichnete Veranstaltung statt, in dessen Rahmen zwei aktuelle relevante wissenschaftliche Studien der Ärzteschaft vorgestellt und diskutiert werden. Im Englischen trägt diese Veranstaltung die Bezeichnung “journal club” und ist in Deutschland nicht ganz unbekannt.

Se hat eindeutig Fortbildungscharakter: Vier internistische Fachärzte teilen sich jede Woche sechs bis acht relevante Fachjournale untereinander auf, die sie durchforsten, um dann eine Liste der aus ihrer Perspektive relevantesten Studien zu erstellen. Diese werden dann in einer Oberarztrunde vorgestellt und durchdiskutiert und am Ende die zwei relevantesten ausgewählt.

Sie werden dann jeweils an zwei Assistenzärzte gegeben, deren Aufgabe es ist, diese Studie vorzubereiten und eine Woche später im Rahmen des Studienseminars uns Assistenzärzten vorzustellen. Ein dienstjüngerer Assistent stellt die Thematik, den Studienaufbau und die Methodik der Studie vor, ein dienstälterer präsentiert die Ergebnisse und führt die anschließende Diskussion.

So erfahren wir Zuhörer neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und können diese im Rahmen einer Diskussion kritisch hinterfragen; die vortragenden Assistenten üben sich außerdem darin, Studien kritisch vorzubereiten und sie dann auch zu präsentieren.

Unser Chefarzt oder sein Stellvertreter leiten die Diskussion und unterbrechen uns, wenn relevante Punkte etwas genauer erörtert werden sollen. Da diverse Fach- und Oberärzte aus sowohl stationären als auch ambulanten Einrichtungen zugegen sind, herrscht oft eine sehr konstruktive und interessante Diskussionsatmosphäre.

Ich selbst nehme nun schon seit knapp anderthalb Jahren regelmäßig an diesen Studienseminaren teil und habe wohl bisher knapp fünfzehn Veröffentlichungen vorgestellt.

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Obwohl ich sehr gerne zu diesen Seminaren gehe, so stört mich ein Aspekt ungemein: Es werden ausschließlich englischsprachige Journale herangezogen und mit Ausnahme des Lancet ausschließlich US-Internistenjournale benutzt. Es ist noch kein einziges Mal in den letzten anderthalb Jahren vorgekommen, dass wir eine Studie aus einem der vielen englischsprachigen europäischen Journale erörtert haben, aus einem australisch-neuseeländischen Journal usw. Außerdem wurde in den letzten Jahren kein einziges Mal eine nicht-englischsprachige Studie vorgestelllt.

Auf meine Frage nach dem „Warum“ erhielt ich eine klare Erklärung: Es gäbe eine Schwemme an wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Journalen und da müsse man sich eben auf die relevanten Magazine konzentrieren. Mittels einer wissenschaftlichen Untersuchung wurde mir dargelegt, welche das im Detail seien; eben fast ausschließlich US-Medizinjournale.

Das ist typisch für die US-Medizin: Selbstzentriert.

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