Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Wer will mich?

Dienstag, 24. Januar 2012

Während der letzten zehn Wochen habe ich alle bundesdeutschen Lan­des­ärz­te­kam­mern, die noch den Allgemeininternisten als Facharzt anerkennen, angeschrieben. Darüber hinaus habe ich die Ärztekammern Österreichs und der Schweiz kontaktiert. Allesamt mit der Frage, unter welchen Bedingungen ich denn als Allgemeininternist in ihrem Zuständigkeitsbereich arbeiten könne; wie und ob meine US-Ausbildung anerkannt wird.

Etwas erschrocken vernahm ich die Erklärungen, dass man „nicht sicher sei, in welchem Umfang meine US-Ausbildung anerkannt würde“. Es wurde mir mitgeteilt, dass man mir im Vorfeld keine genaue Angaben machen könne über diese Anerkennung, dass man unsicher sei, wie viele meiner drei Ausbildungsjahre anerkannt würden und ich damit rechnen müsse, noch weitere Jahre als Assistenzarzt arbeiten zu müssen und so weiter und so fort. Außerdem verkündete man mir, dass ich ein Anerkennungsverfahren erst beginnen könne, wenn ich eine Arbeitsstelle im jeweiligen Kammergeltungsbereich habe.

Was bedeutet das nun alles für mich? Da ich ein vorausplanender Mensch bin, verspüre ich Bauchschmerzen angesichts dieser Unsicherheit. In sieben Monaten habe ich – voraussichtlich – meinen Facharzt; doch scheint der Weg zurück nach Deutschland sehr steinig. Wie soll ich diese Auskünfte seitens der Ärztekammern interpretieren?

Dass man genug qualifizierte Ärzte hat, volle Stationsplanstellen und daher eine Rückkehr eines in USA trainierten Facharztes unnötig ist? Dass die US-Ausbildung als inferior angesehen wird, obwohl doch allenthalben in deutschsprachigen Krankenhäusern US-Studien, US-Methodik, englische Krankheitsbegriffe etc. verwandt werden? Soll ich überhaupt zurückkehren?

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Man merkt mir an, dass ich nicht die erwartete Antwort erhalten habe und verstimmt darüber bin. Ein Empfangen mit offenen Armen sieht anders aus.

Leserkommentare

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Avatar #664504
mateluna
am Freitag, 5. April 2013, 15:43

Gleiche Erfahrung

Lieber Author: Ich habe Ihre Artikel gelessen. Leider kann ich mit fast alle die Einhalt identifizieren! Ich habe meine Aprobation gerade bekommen. Aber meine Facharzt (Kinderarzt und Alergologe, beides aus den USA) Anerkennung sieht schwieriger als die Approbation aus! Ich bin sehr enttäuscht. Ich habe die Ärztekammer in BW kontaktiert, aber sie haben gesagt was Sie schon in dieser Artikel erklärt haben.

Ich will in D arbeiten, weil meie Frau aus D kommt. Aber nach alle diesen Schwierigkeiten, denke ich dass, es besser ist, in die USA zurückgehen.

Ich möchte Ihnen kontaktieren. Vielleicht haben Sie weiter Informationen die ich nicht weiß.

Vielen Dank.

Carlos Morales
mateluna@hotmail.com
Avatar #111935
Hans Peter Boden
am Freitag, 27. Januar 2012, 17:31

Wer will mich? vom 24.01.2012

Warum wollen Sie zurück nach Deutschland, in die Höhle der um sich greifenden Bürokratie und immer noch Hierarchie? Als sog. "Extern" kurz vor meinem Staatsexamen in Deutschland (Sommer 1966!) war ich ca. 4 Monate im Johns Hopkins Baltimore. Auf der gynäkologisch/geburtshilflichen Abt. hatte ich einen ausgewanderten Deutschen als OA und einen Inder als mir zugewisenem Assistenzarzt. Heute noch schwärme ich von dieser Zeit.Nur private Gründe hielten mich davon ab, das ECFM-Examen weiter zu verfolgen. Ich nehme an, das bessere Kulturleben und die doch sehr unterschiedliche Mentalität treibt (?) Sie und Ihre Familie zurück. Viel Glück, wie auch immer Sie sich entscheiden mögen.
Avatar #89017
GOMER
am Freitag, 27. Januar 2012, 08:58

Fellowship

Wenn ich hier lese, wie intensiv Sie sich um eine Anerkennung in Deutschland bemühen, machen Sie denn kein Fellowship?
Avatar #87388
Andreas Skrziepietz
am Mittwoch, 25. Januar 2012, 15:53

Soll ich überhaupt zurückkehren?

Was spricht dafür? Geld sicher nicht. Arbeitsbedingungen auch nicht. Also was?


Avatar #90853
prawda
am Mittwoch, 25. Januar 2012, 13:57

Anerkennung

Die europäischen Länder sind in Sachen Anerkennung von Qualifikationen genauso großzügig wie die USA. Geltendes Recht muss eingehalten werden. In D und Europa gelten Mindestqualifikationszeiten und Inhalte. Wer in einem EU-Land seinen Facharzt gemacht hat, bekommt ihn automatisch anerkannt, für alle anderen muss die Gleichwertigkeit der Weiterbildung geprüft werden. Gilt auch für Weiterbildungen in den USA.
Problematisch ist, dass die Ärztekammern per Gesetz nur für Kammermtiglieder (Beitragszahler!) zuständig sind. Das führt zu den beschriebenen Löchern in der "kollegialen Beratung". Die Ärztekammer Berlin ist da vergleichsweise großzügig, obwohl dort kein Hausarztmangel herrscht. Ergebnis kann nicht vorhergesagt werden. Wenn bspw. die psychosomatische Grundversorgung fehlt oder andere Inhalte, die hier relevant sind, muss das nachgeholt werden.
Avatar #91521
SydIMM
am Mittwoch, 25. Januar 2012, 00:34

Deutscher Facharzt im Ausland

Eine dreijährige Facharztausbildung ist eben keine 5 oder 6 jährige, deshalb ist es wohl schwierig den Facharzt per se so anzuerkennen, allerdings könnte ich mir vorstellen, dass die Zeiten angerechnet werden, wenn genug Stempel auf den Dokumenten sind, und alles fein übersetzt ist. Was den Arztausweis etc. angeht (siehe stapf), sobald man die Approbation in D hat kann man damit in die Apotheke gehen (Reisepass vielleicht nicht vergessen) und einkaufen. Arztausweise gibt es nur wenn man in Deutschland arbeitet, oder mal gearbeitet hat und freiwilliges Mitglied bleibt.
Avatar #93878
stapff
am Dienstag, 24. Januar 2012, 21:53

Die Unsicherheit...

...der deutschen Ärztekammern im Umgang mit deutschen Ärzten im Ausland kann ich bestätigen.
Es ist mir z.B. nicht gelungen einen Arztausweis zu erhalten, den ich z.B. zum Kauf von Medikamenten zum Eigenbedarf in der Apotheke benötige. Ich kann mein "Arztsein" nicht nachweisen da ich in Deutschland keinen Wohnsitz habe.
Für deutsche Kammern scheinen deutsche Ärzte außerhalb der Bundesgrenzen nicht zu existieren.
Avatar #32859
Schneider.jg
am Dienstag, 24. Januar 2012, 20:44

Umgekehrt...

... sieht das ja nicht viel besser aus. Und wenn man in USA seine Ausbildung gemacht hat, spricht ja auch vieles dafuer, im dortigen System zu bleiben.
Warum soll man denn jemand, der in USA FA gemacht hat, besser behandeln als jemand, der aus Polen kommt?
Viele Gruesse
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