Dr. werden ist nicht schwer...

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Das PJ ist überstanden, das Examen rückt näher. Die Doktorarbeit wartet und bei der Wahl der Facharztrichtung gibt es mehr Optionen als bei einer Frage des IMPP. Dieser Blog begleitet den Weg von Anton Pulmonalis ins Examen und in die Zeit danach.

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Dr. werden ist nicht schwer...

Sind Ärzte zu schwach?

Freitag, 20. Januar 2012

In der Onlineausgabe der FAZ las ich neulich einen Artikel über das Assistenzarztwesen und die Arbeits(zeit)belastung in Deutschland. An einigen Stellen erkannte ich mich wieder; an anderen musste ich ziemlich den Kopf schütteln.

Erst einmal muss man den jungen Kollegen zu seiner Dienstbelastung von drei mal 8 Stunden im Monat eher beglückwünschen denn bedauern. Bei mir sind es allein drei Wochenenddiensttage pro Monat. Ich verstehe jedoch nicht, warum es unkollegial sein soll, auf eine korrekte Arbeitszeiterfassung zu bestehen. Es kommt doch allen zugute, wenn Überstunden dokumentiert und sich in zusätzlicher Freizeit oder Auszahlung niederschlagen.

In Gesprächen mit Kollegen musste ich feststellen, dass die meisten in der Tat des Geldes wegen die aktuell üblichen Nachtdienstregelungen vorziehen und entsprechende Belastungen in Kauf nehmen. Neulich rechnete mir ein Kollege vor, wie „wenig“ wir verdienen würden, wenn wir das an meiner Schweizer Klinik gängige Modell (mit einem reinen Nachtdienst für 7 Tage in Folge und dann 7 Tage frei) praktizieren würden. Ich hingegen bin für die Freizeit. Zumal sich aufgrund der anderen Besteuerung die Freude über die Zusatzverdienste im Nettobereich in Grenzen hält.

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Um noch einmal auf die Arbeitszeiterfassung zurückzukommen: Warum stellen wir uns so unvorteilhaft an? Warum schlagen sich Angebot und Nachfrage nicht in besseren, sondern schlechteren Bedingungen nieder? Lassen wir uns so leicht am Nasenring der Berufsethik durch die Manege führen?

Leidet die Patientenversorgung nicht auch, wenn wir überlastet werden? Hat der Kollege aus dem FAZ-Beitrag wirklich Angst vor einer Kündigung? Und wenn ja, warum? Arbeit ist uns derzeit garantiert. Was uns absolut nicht garantiert wird, sind Lebensqualität und Raum für Privatleben. Wir leben um zu arbeiten und nicht umgekehrt.

Beklagt lieber die Arbeitszeiten als die Bezahlung,

Euer Anton Pulmonalis

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Avatar #87388
Andreas Skrziepietz
am Samstag, 21. Januar 2012, 13:45

Warum schlagen sich Angebot und Nachfrage nicht in besseren, sondern schlechteren Bedingungen Lassen wir uns so leicht am Nasenring der Berufsethik durch die Manege führen?

Klare Antwort: Ja! Spätestens seit Schröder und Wulff wissen wir doch, daß die Ethikkeule nur dazu da ist, von anderen ein Verhalten zu erzwingen, zu dem man selbst niemals in der Lage wäre. Wenn die Bankliten sich nicht an die berufsethik halten, warum sollten die Ärzte es tun?
Avatar #93245
clemkoer
am Samstag, 21. Januar 2012, 00:20

richtige Reihenfolge

sehe ich auch so. Möchte auch schon vor der Rente leben. Und nach Eintritt der Rente möchte ich auch noch leben, u. auch vor der Rente nicht bloß funktionieren u. nach der Pensionierung nicht bloß vegetieren.
Vgl. Todesanzeige: "... sein / ihr Leben war nur Arbeit u. Müh...";
Das ist eher die passende Anzeige bei dem Tod eines Pferdes.
Aber jeder entscheidet ja für sich. Vielleicht gibt es ja auch viele Genies bzw. Lebenskünstlers unter den Kollegen, die ihre Arbeit als Hobby betrachten u. obendrein mit wenig Aufwand viel Effekt haben u. dann zuhause auch noch was von haben. Aber eigentlich hat jeder 24 h am Tag, also auch gerecht aufgeteilt.
Für mehr Freizeit u. bessere Planbarkeit fände ich Streiks am ehesten gerechtfertigt.
Clemens Körner
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