Vom Arztdasein in Amerika

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Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Teure Geburt

Dienstag, 24. Januar 2012

Vor kurzem ist meine Tochter zur Welt gekommen, das zweites Kind. Meine Frau und ich haben uns sehr gefreut. Ich bin sowieso ein Kindernarr. Nur der Schlafmangel angesichts der säuglingstypischen Koliken, die fast ausschließlich meine Frau bewältigt, trübt diese sehr große Freude gelegentlich ein wenig.

Der Kranken­haus­auf­enthalt während und nach der Geburt war exzellent: Tägliche und vor allem lange Arztvisiten, sehr gute ärztliche und pflegerische Betreuung, Einzelzimmer mit Einzelbad, quasi Rund-um-die-Uhr-Verpflegung etc. Das hat nichts damit zu tun, dass ich Arzt bin; jeder Schwangeren steht solch eine Behandlung zu, ob nun staatlich krankenversichert durch Medicaid oder MinnesotaCare für die Ärmeren oder privat versichert wie die große Masse, zu der meine Frau und ich gehören.

Nun kommen die Rechnungen eine nach der anderen ins Haus geflattert. Meine Kran­ken­ver­siche­rung ist eine hervorragende, so dass ich nur knapp 4 bis 5% der Gesamtkosten der Rechnungen zu zahlen habe, manche sogar gar nicht. Die Geburt war geringfügig kompliziert, weshalb der Aufenthalt für Mutter und Kind statt der üblichen 36 bis 48 Stunden knapp 60 Stunden betrug. Doch was wird das wohl gekostet haben und was wird der Kran­ken­ver­siche­rung hierfür berechnen?

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Es sind mittlerweile mehr als $25.000, die man meiner Kran­ken­ver­siche­rung berechnet für dieses süße Töchterchen...

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Avatar #113140
Klempner
am Montag, 30. Januar 2012, 09:21

Medicaid zahlt nicht

http://www.daserste.de/weltspiegel/beitrag_dyn~uid,klw868mbfh7sjxzh~cm.asp

Krankheit muss man sich leisten können in den USA. Siehe Beitrag in Weltspiegel.

Avatar #103749
granzowk
am Freitag, 27. Januar 2012, 22:12

Das ist gar nix!

Freunde von mir haben in Kalifornien Zwillinge bekommen. Die Kleinen mussten eine zeitlang in den Brutkasten. Die Rechnung betrug 500000 US Dollar! Da die Eltern der beiden Kleinen dort nur zum studieren waren, hatten sie nur eine entsprechende Versicherung, die natürlich solche horrenden Summen nicht trug. Irgendwie haben sie das dann aber gelöst und am Ende hat der kalifornische Staat bezahlt. Ich weiss aber auch nicht, wie sie das gemacht haben. Es ist doch echt unglaublich, was für horrende Summen dort gefordert werden!
Avatar #87388
Andreas Skrziepietz
am Freitag, 27. Januar 2012, 19:20

Wie sieht es fuer einen US-Buerger aus, der keinen Versicherungsschutz hat?

Für den zahlt Medicaid. Und gegen Berufsunfähigkeit gibt es auch in den USA Versicherungen.
Avatar #113140
Klempner
am Freitag, 27. Januar 2012, 09:27

American Dream

Wohl dem, der sich eine Geburt zu solchen Preisen leisten kann. Eigentlich ist eine Geburt keine "Krankheit", welche dann von einer Kran­ken­ver­siche­rung bezahlt wird. Wie sieht es fuer einen US-Buerger aus, der keinen Versicherungsschutz hat? Lieber Petrulus, haben Sie sich schon einmal Gedanken darueber gemacht, was Ihnen und Ihrer Familie passiert, wenn Sie selbst mal kronisch erkranken (MS, Unfall,etc) und krankheitsbedingt gefeuert werden? Dann brauchen Sie eine soziale Absicherung, welche gerade in jenem Moment, wenn sie am nötigsten gebraucht wird, ausfällt. Aber das ist ja reiner Sozialismus, wenn es nach Romney und anderen Millionären geht.

Viele Gruesse aus Skandinavien!
Avatar #98372
Thelber
am Donnerstag, 26. Januar 2012, 23:00

,,, sind immerhin schon 20.000 €uro beisammen ...

Von solchen Beträgen können da die Gynies in D-land nur träumen ...

Mir Allgemeinarzt verschlägt es - angesichts solcher Summen - die Sprache.
LNS
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