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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Pilz-Halluzinogen erleichtert Psychotherapie

Donnerstag, 26. Januar 2012

Von wegen Erweiterung des Bewusstseins. Das Pilzgift Psilocybin, eine zeitweise populäre psychedelische Droge, löst zwar intensive Halluzinationen aus. Doch diese Produktivität beruht keineswegs auf einer vermehrten Stoffwechselaktivität des Gehirns. Es kommt, wie die Gruppe um David Nutt vom Imperial College London mit der funktionellen Kernspintomographie zeigt, eher zu einer Hemmung der Hirntätigkeit.

Betroffen sind der mediale präfrontale Cortex (mPFC) und das posteriore Cingulum (PCC). Die Funktion dieser beiden Hirnareale ist nicht genau bekannt, das PCC soll jedoch eine Rolle im Bewusstseins und Selbstidendität haben. Eine vermehrte Aktivität des mPFC wurde mit Depressionen in Verbindung gebracht.

Nutt vermutet deshalb, dass Psilocybin bei Depressionen wirksam sein könnte. Eine weitere potenzielle Anwendung wäre der Cluster-Kopfschmerz. Dieser geht mit einer gesteigerten Aktivität des Hypothalamus einher. Psilocybin hat hier ebenfalls eine dämpfende Wirkung.

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Von den Ergebnissen einer funktionellen Kernspintomographie auf die Wirkung eines Pharmakons zurückzuschließen, ist allerdings reichlich gewagt. Notwendig wären klinische Studien, die aufgrund des Verbots von Psilocybin kaum durchgeführt werden dürften (Vom Heilversuch durch eine Pilzmahlzeit kann angesichts der Unsicherheit von Dosis und Toxizität ebenfalls nur abgeraten werden).

Dass die Prohibition die wissenschaftliche Forschung behindert, ist bedauerlich. In den 1950er Jahren – lange vor der Hippie-Ära – wurde Psilocybin von Psychotherapeuten ohne Bedenken eingesetzt. Die Droge förderte die emotionale Einsicht der Patienten und erleichterte so den therapeutischen Zugang zu den Patienten. Dies deckt sich ebenfalls mit den Befunden von Nutt. Seine Probanden beschrieben Erinnerungen unter dem Einfluss der Droge als lebhafter und positiver. Die Kernspintomographie zeigte hier ebenfalls eine Wirkung.

Wie sehr sich Forscher vor unbedachten Äußerungen in Acht nehmen müssen, hat Nutt vor drei Jahren erfahren. Als er behauptete, dass LSD und Ecstasy weniger gefährlich seien als Alkohol (weil es weniger Opfer gebe) verlor er seinen Posten als Berater des britischen Innenministeriums.

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Avatar #70952
CK-Wissen-2
am Donnerstag, 26. Januar 2012, 23:04

Cluster-Kopfschmerz

Bzgl. Cluster-Kopfschmerz gab es bereits einen sehr erfolgreichen Heilversuch mit dem nicht halluzinogenen LSD Derivat 2-Bromo-LSD (BOL-148) an der Medizinischen Hochschule Hannover. Karst M, Halpern JH, Bernateck M, Passie T (September 2010). "The non-hallucinogen 2-bromo-lysergic acid diethylamide as preventative treatment for cluster headache: an open, non-randomized case series". Cephalalgia 30 (9): 1140–4. doi:10.1177/0333102410363490. PMID 20713566 - Kontrollierte Studien werden hoffentlich bald folgen.
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