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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Medicaid: Die Kran­ken­ver­siche­rung für viele Arme

Mittwoch, 8. Februar 2012

Es herrscht in vielen Ländern die Meinung vor, dass wer arm in den USA sei, automatisch keine Kran­ken­ver­siche­rung habe. Dieses Vorurteil ist undifferenziert und daher falsch.

Wer sich mit dem US-System näher beschäftigt, der stellt fest, dass es mit „Medicaid“ ein staatliches Kran­ken­ver­siche­rungssystem seit 1965 gibt, das behinderten Menschen, Schwangeren und Menschen mit Kindern eine gute Kran­ken­ver­siche­rung bietet (www.medicaid.gov). Man darf nur nicht zu viel verdienen, sonst ist man nicht Medicaid-berechtigt. Um Zahlenbeispiele zu nennen: Eine vierköpfige Familie ist unterhalb eines Jahreseinkommens von $44.100 Medicaid-berechtigt. Mit Medicaid werden Medikamentenkosten, Arzt- und Krankenhausbesuche abgedeckt, je nach Einkommen mit oder ohne Zuzahlungen.

Die Hauptgruppen, die von Medicaid ausgenommen sind, sind Besserverdienende, illegale Einwanderer und kinderlose Erwachsene im Alter von 19 bis 65 Jahren, selbst wenn sie arm sind.

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Diverse US-Bundesstaaten wie z.B. Kalifornien oder Minnesota haben jedoch seit Jahren großzügige Sonderregeln und Extraprogramme wie beispielsweise „Minnesota Medical Assistance“ und „MinnesotaCare“, damit einkommensschwache Erwachsene ebenfalls versichert sind.

USA kennt den Leistungsgedanken: Man geht davon aus, dass Erwachsene ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten und damit auch ihre Kran­ken­ver­siche­rung bezahlen können. Offen sagen manche: “Wer das Recht in Anspruch nimmt, faul zu sein, der darf auch hungern.“ Höflicher ausgedrückt: Man geht davon aus, dass Menschen ihres eigenen Glückes Schmied sind.

US-Präsident Obama hat das System mit seiner Gesundheitsreform „bezahlbares Kran­ken­ver­siche­rungsgesetz“ (www.healthcare.gov) derart verändert, dass ab 2014 auch Erwachsene unter einer bestimmten Einkommensgrenze Medicaid erhalten können. Es herrschen bald europäische Verhältnisse, wie Republikaner spotten, und fragen sich woher das Geld kommen soll.

Die meisten Ärzte glauben nicht, dass dieser Teil des Obama-Gesetzes zurückgenommen wird, egal wer die Präsidentenwahl Ende dieses Jahres gewinnen wird. Dann ist ab 2014 die überwältigende Mehrzahl der armen US-Amerikaner krankenversichert. Dann wird niemand mehr sagen können, dass arme Menschen in den USA nicht versichert sind.

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Avatar #112915
petrulus
am Freitag, 24. Februar 2012, 15:21

Weiss ich nicht

Lieber ymikhlin: Ich habe eine Antwort auf Ihre Fragen bisher nicht finden koennen. Die USA hat isgesamt eine sehr gute Krankenversorgung fuer Schwangere und Arme. Ich will versuchen, Zahlen zu finden und in den naechsten Wochen darueber in meinem Blog zu schreiben, kann das aber nicht versprechen.
Avatar #541968
ymikhlin
am Dienstag, 21. Februar 2012, 22:34

Eine Frage

Hallo, Petrulus! Ich weiß, daß es nicht Ihr Gebiet ist, aber evtl. wissen Sie etwas darüber.
Meine 1te Frage ist nach der relativ hohen "infant mortality" in den USA, ca. 6/1000 Lebendgeborene (in Canada allerdings nicht viel besser,5).

Viele US-Amerikaner kritisieren-ohne die Schwächen des eignen Systems zu verschönern!- daß in den USA der Totgeburt ("stillbirth"/der Tod vor od. 24 h nach der Geburt) MIT in die "infant mortality" eingerechnet wird, währen die EU-Länder den Totgeburt als ein "Extra-Kapitel" führen, dadurch entstünde die scheinbar katastrophale US-Statistik.
Ich habe selber nachgeprüft: zumindest in Deutschland ist die "infant mortality" ca. 3,5, der Totgeburt trifft aber bei ca. 4/1000 Schwangeschaften auf, damit werden die beiden Statistiken auf jeden Fall getrennt geführt, weil 4/1000 auf jeden Fall mehr ist als 3,5; zusammen ergäben sich ca. 7,5-8/1000 Lebengeborene.

Haben diese US-Amerikaner doch Recht? Wenn ja- dann machen Europäer keine Statistik mehr, dafür gibt's ein anderes Wort: Propaganda!

Meine 2te Frage betrifft "maternal mortality", da ist inden USA tatsächlich eine katastrophale Entwicklung zu beobachten, nämlich von 6,6/100.000 Geburten in 1988 bis 24(!!!) letztes Jahr.
Hätten Sie eine Idee, was der Grund sein könnte? Auf den Verfall durch Bush ist das nicht alleine zurückzuführen, da 1988-zu Reagan-Zeiten-auch nicht gerade sozial und friedlich zuging- und die infant mortality auch steigen müßte, die ist aber kleiner geworden, von 7,5 im Jahre 20005 auf 6 2011.
Ich habe da eine Idee, aber sie ist nich politisch korrekt.

Viele Grüße
Avatar #87388
Andreas Skrziepietz
am Sonntag, 12. Februar 2012, 15:21

Die Kran­ken­ver­siche­rung für Arme

wäre auch ein guter titel gewesen.
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