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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Der Ultraschall kommt (Teil eins)

Donnerstag, 1. März 2012

Deutsche Internisten haben meines Erachtens nach international eine Sonderrolle inne: Sie können mit einem Ultraschall umgehen und nutzen ihn diagnostisch für Echokardiographien, Abdominaluntersuchungen oder Schilddrüsenevaluierungen. Das ist nicht selbstverständlich, denn weder in der Schweiz, noch Frankreich, noch Kanada, noch den USA benutzen Internisten einen Ultraschall in dem Maße wie es deutsche Internisten tun.

Daher ist das, was unser Assistenzprogramm macht, fast unerhört, ein Novum, und wird sogar durch eine Studie begleitet: Es wurden jüngst tragbare Ultraschallgeräte bei uns eingeführt. Unser Programm hat zehn solcher Geräte gekauft und die diensthabenden Assistenzärzte und diejenigen, die Punktionen durchführen, tragen jeweils ein Gerät mit sich herum – es wird wie eine Umhängetasche umgeschnallt und wiegt nur wenige Kilo.

Die Idee ist eine einfache: Wenn ein Patient aufgenommen oder visitiert wird, dann soll der Ultraschall bei einer körperlichen Untersuchung ergänzende Informationen liefern, mittelfristig das Stethoskop ergänzen oder gar ersetzen. Statt einer kardialen Auskultation soll mittels Vierkammerblick und Evaluierung der Vena Cava sowohl Volumenstatus als auch – grob orientierend – der kardiale Status festgestellt werden. Ähnlich geht man bei der Lungenuntersuchung vor: Pleurareiben? Pneumothorax? Pleuraerguss? Im Abdominalbereich dann ebenfalls ein zügiger Blick auf die wesentliche Organe – Harnverhalt? Hepatosplenomegalie?

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Unser Programmdirektor kommt richtig ins Schwärmen wenn er uns Assistenten mit umgeschnalltem Ultraschallgerät herumlaufen sieht. Letztens hat er sogar den „Tod des Stethoskops“ ausgerufen und halbverzückt den Kopf geschüttelt, weil er sich freut, dass er nicht nur das Ende des Vitamin K-Antagonisten Coumadin (das US-Äquivalent des deutschen Phenprocoumon) erleben darf, sondern auch noch die „Weiterentwicklung oder gar Ende“ des Stethoskops.

Schade, dass ich das Programm in vier Monaten beende – denn ich bin noch ein altmodisch mit Stethoskop trainierter Arzt. Zum Glück habe ich ein wenig Erfahrung aus Deutschland mitgebracht, wo all dieses Ultraschallgetue nichts Neues ist.

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Avatar #112157
praxispelzl
am Samstag, 3. März 2012, 17:25

letsgetstraight...

zeitalter der sonographen ? wir haben täglich SD patienten ,die waren jährlich 3 x zur schilddrüsensono ...dann gab es 4 ml, 16 ml und 24 ml volumen attestiert...na das ist doch toll....
Avatar #93878
stapff
am Donnerstag, 1. März 2012, 22:19

Der Ultraschall als verlängertes Sinnesorgan des Arztes...

...ist, wie wir deutschen Ärzte wissen, ein sehr hilfreiches und unersetzliches Hilfsmittel für Diagnose und Verlaufskontrolle. Hier in den USA ist er leider die Domäne von extra niedergelassenen "technicians". Die Kombination aus direktem Patientenkontakt, der sofort eine erweiterte Anamnese erlaubt, mit medizinischem Fachwissen, was die ad-hoc Differenzialdiagnose ermöglicht, geht dabei völlig verloren. Davon ganz zu schweigen, dass man in USA erst zum Ultrasound Technician überwiesen werden und einen Termin erhalten muss. Selbst für einfachste sonographische Diagnosen wie Cholezystolithisasis oder Harnstau gehen dabei Tage verloren. Und natürlich bekommt man eine separate Rechnung , was die Ineffizienz dieses Systems wieder einmal erhöht.
Gratulation zu dem Projekt in Ihrer Klinik! Hoffentlich wird das weit publiziert und macht schnell Schule!
LNS
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