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Dr. McCoy

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In seinem Blog – benannt nach dem Bordarzt von „Raumschiff Enterprise“ – kümmert sich Philipp Stachwitz weniger um ferne Galaxien, sondern er kommentiert, wie die Zukunft der Medizin durch Telematik und E-Health beeinflusst wird. Als Anästhesist und ehemaliger stellvertretender Dezernent für Telematik der Bundes­ärzte­kammer kennt der heute ambulant tätige Schmerztherapeut und E-Health-Experte die Materie gleichermaßen und gleichzeitig aus der Praxis wie auch aus der Politik.".

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Dr. McCoy

Fahrrad oder Pferd?

Montag, 26. März 2012

In einer Meldung der Ärztezeitung von vergangener Woche heißt es: „Ärzte wollen kostenneutralen E-Arztbrief“. Zitiert wird dort der Vorsitzende des Telematik-Ausschusses der KV Nordrhein, Dr. Ludger Wollring. Dieser hatte auf der Ver­tre­ter­ver­samm­lung der KV eine Umfrage zum Thema elektronischer Arztbrief vorgestellt. (Diese Umfrage ist bisher nicht online verfügbar – ich kann mich daher nur auf die Ausführungen der Ärztezeitung stützen.)

Die Ergebnisse haben mich dann doch erstaunt. Denn befragt wurden ausschließlich die 560 niedergelassenen Ärzte, die schon im Besitz eines elektronischen Arztausweises der Ärztekammer sind und hiermit ihre KV-Abrechnung vollständig elektronisch durchführen – sozusagen die „digital natives“ der niedergelassenen Ärzteschaft. Gefragt wurde nach dem derzeitigen Umfang der Arztbriefkommunikation, dem Interesse an einer Umstellung auf elektronischen Empfang und Versand sowie schließlich nach der Investitionsbereitschaft der Praxisinhaber für eine solche Umstellung.

Gut 40 % der befragten Hausärzte sind offenbar nicht bereit, auch nur einen Cent für einen zukünftigen elektronischen Empfang von e-Arztbriefen auszugeben. Ein weiteres gutes Drittel erklärt sich maximal zu einer einmaligen Investition von bis zu 200 EUR bereit. Lediglich 20% der Hausärzte sind offenbar bereit, ggf. auch noch mehr Geld zu investieren. Das finde ich höchst erstaunlich. Denn schließlich erhält jeder Hausarzt laut Befragung im Schnitt 10 Arztbriefe in Papierform täglich. Diese Papierbriefe werden dann – so vermutet zumindest Wollring – überwiegend eingescannt und liegen dann wieder elektronisch in der Praxis vor. Dazu passt dann auch, dass immerhin 62,9 % der Befragten lt. Wollring „großes Interesse am Erhalt von elektronischen Arztbriefen“ bekundet hätten.

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Und diese Ärzte sind nicht bereit, dafür einmalig 100 oder 200 EUR zu zahlen? Sie lassen lieber weiterhin ihre Helferinnen 10 Briefumschläge am Tag öffnen? Sie lassen lieber weiterhin ihre Helferinnen die Dokumente (mitunter ja wohl mehrseitig) einscannen, mit Dateinamen versehen und anschließend in die Praxis-EDV einspeisen? Und schließlich lassen sie lieber weiterhin ihre Helferinnen die Papierdokumente archivieren? (Denn rechtssicher ist das bloße Einscannen von Papierdokumenten ja nicht so ohne Weiteres.) Das alles kostet also die Praxen so wenig, dass sie keine 100 EUR (einmalig!) investieren wollen würden?

Bei den Fachärzten (die im Schnitt 455 Briefe pro Quartal versenden) sieht es ähnlich aus. Von ihnen wollen fast 50% gar kein Geld in die Umstellung auf den elektronischen Versand (und Empfang) von Arztbriefen investieren. Das verwundert mich dann fast noch mehr. Allein die Portokosten betragen doch schon mindestens 250,– EUR pro Quartal.

Den Vorsitzenden des Telematik-Ausschusses der KV Nordrhein scheint das nicht zu wundern. Das System des Scannens von Papierdokumenten sei in den Praxen etabliert. Wer den Ärzten jetzt ein neues, durchgehend elektronisches System anbiete, erfinde nur das „Fahrrad für Leute, die bereits seit Jahren Fahrrad fahren“.

Gut, so kann man das natürlich auch sehen. Mir fällt dazu nur noch ein Zitat des letzten deutschen Kaisers, Wilhelm II., ein: „Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist nur eine vorübergehende Erscheinung“.

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