Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Die Ärztelounge

Donnerstag, 12. April 2012

Am ersten Arbeitstag wird man in vielen deutschen Krankenhäusern in die Kantine geführt. Dort hat man mehr oder weniger gute Verpflegung und eine gute Auswahl, wie die meisten von uns wissen. Meistens ist es auch kostengünstig, weil für das Personal subventioniert. Aber einige Euros kostet solch eine Mahlzeit dann doch.

Auf Station erhält man hingegen nicht immer Kaffee und Frühstück umsonst gereicht, entweder man muss es sich selber mitbringen oder beim Pflegepersonal beliebt sein, um kleine Köstlichkeiten kostenlos zu erhalten. So zumindest meine Erfahrung an den wohl ein Dutzend Krankenhäusern, an denen ich ein Praktikum absolviert, famuliert oder gearbeitet habe.

In den USA besteht dahingehend ein kleiner, aber dennoch feiner Unterschied: Es gibt in beinahe jedem Krankenhaus eine sogenannte Ärztelounge. Diese ist für ärztliches und dem Arzt nahestehendes Personal zugänglich, anderen Angestellten nur in ganz wenigen Ausnahmesituationen.

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Dort finden sich nicht nur bequeme Sitzmöglichkeiten und Esstische, sondern rund um die Uhr kostenfreie Nahrungsmittel. An unserem Lehrkrankenhaus beispielsweise wird mittags für die Ärzteschaft gekocht und man kann sich an zwei drei Meter langen Buffettischen selbst bedienen oder von Kellnern das Essen bei Spezialwünschen an den Tisch bringen lassen.

Zwischen 6 und 18 Uhr gibt es alle zwei Stunden frischgebrühten Starbuckskaffee, rund um die Uhr umsonst diverse Fruchtsäfte, Milch, Früchte, Kuchen, Cornflakes und viele andere Kleinigkeiten. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Morgens gibt es ein kleines Frühstücksbuffet.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass andere Krankenhäuser eine größere Auswahl bieten als unseres, wir also wohl durchschnittlich hinsichtlich der Essensversorgung sind. Mir genügt unsere Versorgung und es gefällt mir außerordentlich gut, wenn man als Dienstarzt Hunger hat, nicht bei einer Stationsschwester betteln gehen zu müssen. Kleinigkeiten machen viel aus, und das ist ein weiterer Grund, warum es Spaß macht, in den USA als Arzt zu arbeiten.

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Avatar #103070
Henry I
am Freitag, 13. April 2012, 13:20

Doctors Mess

Gibt's hier in England auch - die sogenannten "Doctors Mess Rooms".
Sehr angenehm, werden hauptsächlich von Junior Doctors besucht und sind ein guter Platz, um kurz mal auszuspannen, die Batterien nachzuladen, Lunch oder Tea einzunehmen, um danach umso besser wieder für die Patientenversorgung da zu sein.
Wesentlich angenehmer, als der neosozialistische Einheitsbrei in good old Germany, wo SPD, Grüne und Antisoziale sich vermutlich in ihrer üblichen pathetischen Empörung üben würden, wollte man ein Kasino wieder einführen.
Naja, die werden es wahrscheinlich erst dann verstehen, wenn der letzte Arzt des Landes geflohen ist ;-)
Avatar #103205
Patroklos
am Freitag, 13. April 2012, 11:02

Ärztekasino.

Wenn ich mich recht erinnere, gab es in deutschen Krankenhäusern bis in die 80-er Jahre einen separaten Speisesaal oder -bereich für das ärztliche Personal. Aus egalitären und sicherlich auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen wurde der nach und nach abgeschafft. Soll man hier die Schraube zurückdrehen??
Avatar #98372
Thelber
am Donnerstag, 12. April 2012, 22:48

Ach so, noch etwas zu diesem Thema ....

Ein Kollege gönnte sich und seinen Mitarbeiterinnen jeden Tag eine Butterbrezel als Vesper. Was passierte ? Als eine Steuerprüfung stattfand, musste er diese Ausgaben als "geldwerten Vorteil" für seine Mitarbeiterinnen nach versteuern ....

So viel zum deutschen Steuerrecht :-(
Avatar #98372
Thelber
am Donnerstag, 12. April 2012, 22:46

Ja, aber .... wir haben doch eine Steuerbürokratie !!

Und die meint, dass Essen Privatsache ist oder aber zu versteuerernder Vorteil für den Mitarbeiter ....

Oh arme Bürokratie in Deutschland ! Aus diesem Grund wurde auch eine Altenpflegerin des Diebstahls bezichtigt und verurteile, weil sie übrig gebliebene Maultaschen nicht wegwerfen wollte, sondern selbst verzehrte ... Und mit aus diesem Grund fliegt einiges Essbares in den Müll, was unsere Ministerin Aigner zu Recht jetzt anprangert ....
LNS
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