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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

36 Rotationen später ein Facharzt

Dienstag, 10. April 2012

In vielen deutschen Bundesländern existiert die Weiterbildung zum Allgemeininternisten nicht mehr. In den USA ist er jedoch weiterhin gang und gäbe, und er wird auch nicht in naher Zukunft abgeschafft. Zu zentral ist seine Bedeutung im stationären und ambulanten Bereich (siehe “Der Internist als Zentrum” http://www.aerzteblatt.de/blog/47378/).

Erst hieran schließen sich in den USA Weiterbildungsmöglichkeiten wie Rheumatologie, Intensivmedizin, Infektiologie oder Onkologie an. Diese werden „Unterspezialisierungsfächer“ genannt, weil sie erst im Anschluss an die Ausbildung zum Allgemeininternisten durchlaufen werden können. Da es mindestens 17 solcher Weiterspezialisierungsmöglichkeiten gibt und einige der Weiterbildungsprogramme zum Teil bis zu sechs Jahre dauern, könnte ein Internist sich wohl sein ganzes Leben lang weiterbilden, ohne je als Facharzt gearbeitet zu haben. Das mag in wenigen anderen Fächern ebenfalls der Fall sein, aber es scheint besonders ausgeprägt bei den Internisten zu sein.

Die Weiterbildung zum Allgemeininternisten sollte daher im Idealfall zwei Dinge umfassen: Das Wissen des Faches vermitteln, sowie grundlegendes Spezialistenwissen und Kontakte zu den wichtigsten Unterspezialisierungsfächern ermöglichen. Da der allgemeininternistische Facharzt drei Jahre dauert ist die Zeit für diese zwei Ziele begrenzter als in Deutschland, wo nicht nur die Weiterbildung länger dauert, sondern manchen Assistenzärzten sieben oder acht Jahre hierfür abgenötigt wird.

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Entsprechend hat man sich in den USA dafür entschieden, dass ein internistischer Assistenzarzt nicht wie in Deutschland alle drei oder sechs Monate die Station wechselt, sondern jeden Monat. Die wöchentlichen Arbeitszeiten sind in den USA zwar um einen Faktor von fast 50% länger als in Deutschland, aber auch unter diesen Bedingungen ist ein einmonatiger Stationsaufenthalt nicht mit einem sechsmonatigen zu vergleichen. Man hat weniger Zeit, das stationsspezifische Wissen und das des Oberarztes aufzunehmen.

Doch ist ein sechsmonatiger Stationsaufenthalt unbedingt immer nötig? Wenn ich, wie kürzlich bei meinem Monat auf der Onkologie, bei drei verschiedenen Patienten unterschiedliche lymphoproliferative Tumoren diagnostiziere oder, wie auf der Infektiologie, eine systemische Blastomyzesinfektion bei einem und eine CMV-Virämie als Ursache einer Milzruptur bei einem anderen feststelle, dann ist das medizinisch zwar befriedigend, aber nicht unbedingt relevant für meine zukünftige Arbeit als Allgemeininternisten. Außerdem stehen solche spannende Fälle in meinem „Harrison’s“ Innere Medizin Buch und in meinen vielen Fachjournalen.

Meine US-Kollegen und ich sind daher mit den kurzen Rotationen hochzufrieden und haben das Gefühl, sehr viel gelernt zu haben und in die wichtigsten Fächer hineingeschnuppert zu haben. Es befriedigt uns auch zu wissen, dass 36 Rotationen einen Facharzt ergeben und nicht beim einen 44 und beim anderen 52,5. Einige von uns haben sogar Strichliste geführt, weil sie wussten, dass nach 36 Monaten Schluss ist. Die meisten von uns wissen auch, dass diese 17+ Programme nicht für uns gedacht sind.

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