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Vom Arztdasein in Amerika

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Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Deutschlandeindruck IV: Deutsches Gesundheitssystem pro-Obama

Montag, 30. April 2012

Wenn jene Ärzte, Krankenpflegepersonal und Medizinstudenten, die ich bisher in Deutschland traf und mit denen ich über das US-Gesundheitssystem gesprochen habe, an der US-Präsidentenwahl diesen November teilnehmen könnten, dann würde Barack Obama unter ihnen gefühlte 90% plus der Stimmen erringen. Er ist unglaublich beliebt und wenig umstritten, anders als in den USA.

Es wird in Deutschland mit einer Leidenschaft für seine Gesundheitsreform Stellung bezogen als ginge es bei ihr um den Unterschied zwischen einem funktionierenden und dysfunktionalen Gesundheitssystem, zwischen gut und böse. Es werden als Rechtfertigung Schlagwörter gebraucht wie “Kran­ken­ver­siche­rung für alle”, “Arme haben das Recht auf gleiche Behandlung”, “Behinderte dürfen nicht benachteiligt werden” etc., gerade so, als wäre das US-System wirklich so diskrimi­nierend und als stünde das System dort kurz vor dem Kollaps, moralisch völlig korrupt. Obwohl es einige Dysfuntionalitäten im US-System gibt (wie auch im deutschen), sind diese Schlagwörter jedoch derart plakativ, dass ich sie im Gespräch stets als falsch zurückweisen muss.

Manche meiner deutschen Kollegen sind in der Diskussion dann offen für eine differenzierte Schilderung der eigentlichen Situation im US-Gesundheitssystem, doch stellen sie meines Erachtens nach eine Minderheit dar. Am Ende scheint es mir als würden sich meine Gesprächsteilnehmer meistens nach einer Bestätigung ihrer Vorurteile sehnen und wären enttäuscht bis erbost wenn diese nicht von mir geliefert wird.

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Es scheint in Deutschland eine gewisse Sehnsucht zu herrschen, das US-Gesundheitssystem von einem privaten in ein gesetzliches verwandelt zu sehen (was es schon zu einem erheblichen Teil ist). Es schwingt eine moralische Sehnsucht und gewisse Überheblichkeit in der in Deutschland geführten Diskussion mit. Doch ist unser Gesundheitswesen mit seiner Rationierung, niedrigem Personal­schlüssel, Abwanderung vieler Gesundheitsarbeiter usw. wirklich optimal und als Vorbild geeignet?

Doch solche differenzierte Überlegungen führen nicht weiter. Meine Erklärungen schaffen mir in Gesprächen wenig Freunde. Ich habe es mir mittlerweile angewöhnt nur dann vom US-System zu berichten wenn gefragt.

Für Dr. Obama ist es nur schade, daß er keine Stimmen unter meinen deutschen Kollegen erhalten kann; ein umkämpfter Bundesstaat wie Ohio oder Florida wäre mein deutsches Hospitations­krankenhaus und viele andere Häuser mit Sicherheit nicht. Traurig für ihn – so muss Obama eben doch weiter gegen (voraussichtlich) Mitt Romney Wahlkampf führen und um jede Stimme kämpfen.

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Avatar #87388
Andreas Skrziepietz
am Mittwoch, 2. Mai 2012, 11:41

Bin froh dass ich meine Kran­ken­ver­siche­rung in Deutschland behalten habe

Dann zahlen Sie aber hoffentlich auch freiwillig den in Deutschland üblichen Steuersatz, ja? Sonst könnte man Sie ja für einen üblen Opportunisten halten...
Avatar #649643
DR.NickRiviera
am Dienstag, 1. Mai 2012, 21:25

Amis ticken eben anders

Man hat die freie Wahl ob man eine Waffe bei sich trägt oder nicht (nicht in allen Bundesstaaten) genauso wie man die freie Wahl hat ob man sich versichern lässt oder nicht. Dass manche Amis Obama's Reform als sozialistisch bezeichnen hat mit deren ablehnenden Einstellung gegenüber staatlicher Bestimmungen und Einmischungen in das Privatleben zu tun...
Avatar #98677
lsachse
am Dienstag, 1. Mai 2012, 20:00

Deutschlandeindruck IV: Deutsches Gesundheitssystem pro-Obama

Ich lebe und arbeite seit fast 30 Jahren in den USA und muss schon sagen der Verfasser dieses Artikels hat kaum Ahnung was im US Gesundheitswesen vorgeht.
Eigentlich peinlich. Bin froh dass ich meine Kran­ken­ver­siche­rung in Deutschland behalten habe. Gesundheit/Kran­ken­ver­siche­rung gehen Hand in Hand und wenn man hier sich eine Kran­ken­ver­siche­rung nicht leisten kann hat man eben Pech gehabt.
Man hat das Recht eine Waffe bei sich zu haben aber Kran­ken­ver­siche­rung SORRY leider nicht. Wenn ein US Arbeitgeber keine Kran­ken­ver­siche­rung anbietet hat man noch mehr Pech, weil die Eigenversicherung finanziell unerschwenglich ist. Es gehr hier einzig und allein um soziale Gerechtigkeit.
Allerdings wird in den USA das Wort social sehr haeufig mit
sozialistisch/kommunistisch verwechselt. Allgemeinbildung hat einen grossen Nachholbedarf.
Regards
L.Sachse
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