Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Der US-Facharzt

Freitag, 1. Juni 2012

In den USA gilt facharztübergreifend eine ähnliche Regel: Alle 10 Jahre muß sich ein Facharzt bei seiner jeweiligen Ärztekammer neu zertifizieren (board certification) lassen, was über eine eintägige schriftliche Prüfung vollzogen wird. Dabei wird in den USA zwischen zwei Stufen eines Facharztes unterschieden, nämlich derjenigen des zertifizierten und derjenigen des nichtzertifizierten bzw. zertifikatabgelaufenen Facharztes.

Zunächst muß jeder Arzt, der in den USA praktizieren will, eine fachärztliche Weiterbildung (residency) von Anfang bis Ende durchlaufen. Das gilt für Medizinstudenten, für ausländische Ärzte und für Quereinsteiger, d.h. Ärzte, die von einem US-Facharztgebiet zum anderen wechseln, wobei diese letzte Gruppe in seltenen Fällen ein Jahr angerechnet bekommen während die anderen Gruppen die gesamte Ausbildungszeit durchlaufen müssen. Hat man diese mehrjährige Weiterbildung absolviert, dann ist man schlicht und einfach ein Facharzt (residency graduate), wofür man im Rahmen der Weiterbildung eine Vielzahl an kleineren und größeren Prüfungen abgelegt, an Eingriffen und Krankheiten kennen- und behandeln gelernt und sehr, sehr viele Arbeitsstunden im Krankenhaus und der Praxis unter oberärztlicher Leitung zugebracht hat.

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Als Facharzt ist man erst dann berechtigt die schriftliche Facharztprüfung (medical board, z.B. das American board of internal medicine für Internisten) abzulegen, muß dieses jedoch nicht tun. An den meisten Krankenhäusern und Praxen kann man jedoch nur arbeiten, wenn man zertifiziert ist (board certified), d.h. die eintägige Facharztprüfung geschrieben und bestanden hat. Daher schreibt die überwältigende Mehrheit der Fachärzte diese und ist beides, hat also sowohl ein mehrjähriges Weiterbildungsprogramm durchlaufen als auch eine Zertifizierung im Rahmen der fachspezifischen Facharztprüfung erhalten. Da jeder diese nur einmal jährlich schreiben darf, will man sie gerne auf Anhieb bestehen. Entspreche lerne ich schon seit Monaten in meiner wenigen Freizeit hierauf, siehe Blogeintrag “Der Untergang des Buches” vom 27.3.2012. So werde ich auch diese Woche für fünf Tage in den Bundesstaat New Jersey fliegen, um ganztägig an einem Vorbereitungskurs teilzunehmen (http://www.acponline.org/education_recertification/recordings/board_review/newjersey/). Im August kommt dann die Prüfung; sollte alles klappen wie gedacht, dann steht die Rezertizierung erst 2022 wieder an.

Man kann sich vorstellen, wie groß die Freude für all die Kollegen ist, die nach zehn Jahren Praxis sich wieder auf die Prüfung und alle Neuerungen seither vorbereiten müssen. Nicht umsonst wurde ich vor meinem Vorbereitungskurs vorgewarnt: Die meisten Ärzte dort seien alte Hasen, die lieber daheim in ihrer Praxis als im Kurssaal seien. Sie seien etwas verbittert und nervös wegen der Prüfungsvorbereitung. Da bin ich einmal gespannt was mich erwartet.

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