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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Psychotherapie: Telefon ersetzt Couch

Mittwoch, 6. Juni 2012

„Darling, es ist Dein Psychologe“, heißt es in den USA immer häufiger in Haushalten mit psychisch kranke Menschen. Etwa 85 Prozent aller US-Psychologen bieten bereits eine Telefonberatung ihrer Patienten an. Dies erspart den Patienten lange Anreisewege und -kosten. Auch für den Therapeuten haben die fernmündliche Sitzungen Vorteile, können diese doch auch von zuhause und „zwischendurch“ durchführt werden, vielleicht zu Tageszeiten, an denen seine Patienten leichter zu erreichen sind.

Eine randomisierte Studie der Feinberg School of Medicine in Chicago zeigt jetzt, dass eine kognitive Verhaltenstherapie bei einer Major-Depression möglich ist. Die Abbruchrate war mit 21 Prozent gegenüber 33 Prozent unter den konventionellen „face-to-face“-Sitzungen sogar niedriger. Eine Akzeptanz bei den Patienten ist demnach vorhanden.

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Die Wirksamkeit muss aber mit Fragezeichen versehen werden. Am Ende der 18-wöchigen Studienphase hatte die telefonische Beratung die Depression annähernd so gut gebessert wie die Sitzungen in der Praxis (minus 9,25 Punkte versus minus 10,32 Punkte auf der Hamilton Depression Rating Scale, Ham-D). Doch sobald die Anrufe des netten Psychologen ausbleiben, verschlechtern sich die Ergebnisse wieder.

Während die Teilnehmer der konventionellen Therapie in der Praxis ihre Werte auf der Ham-D-Skala noch halten konnten, kam es unter der telefonischen Therapie zu einem Wiederanstieg um fast 2 Punkte. Eine ähnliche Entwicklung gab es auch im PHQ-9 (Patient Health Questionnaire–9), mit dem der Patient seinen Zustand einschätzt.

Kurzum: Für die echte Couch (die bei den meisten Psychologen eher ein Sessel oder Stuhl ist) bietet die telefonische Therapie keinen vollwertigen Ersatz. Für Patienten, die anders nicht zu erreichen sind, könnten die regelmäßigen Anrufe sich jedoch positiv auf die Erkrankung auswirken. Möglicherweise müssten sie jedoch dauerhaft erfolgen, wodurch ein Vorteil gegenüber den Medikamenten, nämlich die Chance auf eine dauerhafte Besserung, entfallen würde.

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