DÄ plusBlogsVom Arztdasein in AmerikaDie indische Krankenschwester aus Schweden
Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vom Arztdasein in Amerika

Die indische Krankenschwester aus Schweden

Dienstag, 12. Juni 2012
Ein Patient wurde kürzlich nach postoperativer Genesung entlassen, aber der entlassende Arzt hatte das Ausstellen eines Oxycodon-Rezeptes vergessen. Leider war der Arzt schon zu Hause, und somit wurde ich angepiepst; das Rezept für Oxycodon muss, weil es sich um ein Opiat handelt, in Papierform ausgestellt und handschriftlich unterschrieben sein (siehe meinen Blogeintrag “eRezept”). Daher ging ich auf Station, druckte das Rezept aus, unterschrieb und reichte es der etwas älteren Krankenschwester. Diese verwickelte mich in ein kurzes Gespräch, und mir fiel ihr Akzent auf. Auf meine Nachfragen hin sprudelte ihre halbe Lebensgeschichte aus ihr heraus.

Wie sich herausstellte, stammte die Krankenschwester – mittlerweile US-Staatsbürgerin – aus Indien und war Ende 20 mit ihrem Mann nach Schweden ausgewandert. Dort hatte er als Ingenieur, sie als Krankenschwester gearbeitet, und gemeinsam mit ihren beiden Töchtern hatten sie die schwedische Staatsbürgerschaft angenommen. Die Arbeitsbedingungen waren dort gut, aber die Steuern eben hoch und die beruflichen Chancen langfristig nur mittelmäßig gewesen.

Daher hatte die Familie den Sprung in die USA 15 Jahre nach ihrer Schwedenimmigration gewagt und lebte nun schon seit zehn Jahren glücklich in den USA. Die beiden Töchter waren Ärzte geworden, der Mann in eine höhere leitende Stelle gelangt, die Frau eben Krankenschwester geblieben; sie waren eine hart arbeitende und gebildete Familie. Das alles erzählte mir die Frau in weniger als 15 Minuten; ihr Leben lag ihr auf der Zunge.

Solche Begegnungen erlebe ich mehrmals pro Monat in den USA: aus Europa in die USA abgewanderte gut ausgebildete Migranten. Viele von ihnen geben an, dass sie als Grund ihrer Weitermigration bessere Lebenschancen in den USA erhoffen; eine Hoffnung, die sich auch meistens erfüllt, und die große Mehrheit dieser “Neoamerikaner” und “Exeuropäer” geben mir gegenüber an, viel zufriedener mit ihrem Leben in den USA als in Europa zu sein.

Anzeige

Ich habe bisher erfolglos nach großen Studien zum Thema Abwanderung hoch gebildeter Migranten aus Europa in die USA, Kanada und Australien gesucht. Es scheint aber ein recht gängiges Phänomen zu sein. Wieso verlassen diese intellektuellen Migranten Europa? Wieso ist die USA (bzw. Kanada oder Australien/Neuseeland) attraktiver? Bessere Vergütung bei niedrigeren Steuern? Wieso wird dieses Thema nur marginal in der Öffentlichkeit diskutiert? Was machen europäische Regierungen dagegen?

Mancher Dienstanruf oder manche Piepsernachricht ist doch komplexer und beschäftigt mich länger als ursprünglich gedacht.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #87388
Andreas Skrziepietz
am Mittwoch, 13. Juni 2012, 16:27

Unsere bankiten

wollen, daß die "Mühseligen und Beladenen" ihnen Jahresgehälter in siebenstelliger Höhe zahlen. Das Sozialamt für Bankrotteure & Spekulanten.
Avatar #625311
L.A.
am Mittwoch, 13. Juni 2012, 14:30

Auswanderung - Einwanderung

Die USA (ebenso Kanada und Australien) wollen für qualifizierte Einwanderer attraktiv sein.
Deutschland (und andere europäische Länder) sind attraktiv für die "Mühseligen und Beladenen dieser Welt".
Unsere Gutmenschen wollen, dass unser Land das "Sozialamt für die Welt" ist.
Solange sie es nicht aus der eigenen Tasche bezahlen müssen...
LNS
Alle Blogs
Gesundheit
Gesundheit
Vom Arztdasein in Amerika
Vom Arztdasein in Amerika
Frau Doktor
Frau Doktor
Pflegers Schach med.
Pflegers Schach med.
Dr. werden ist nicht schwer...
Dr. werden ist nicht schwer...
Global Health
Global Health
Dr. McCoy
Dr. McCoy
Das lange Warten
Das lange Warten
Sea Watch 2
Sea Watch 2
PJane
PJane
Praxistest
Praxistest
Res medica, res publica
Res medica, res publica
Studierender Blick
Studierender Blick
Britain-Brain-Blog
Britain-Brain-Blog
Unterwegs
Unterwegs
Lesefrüchtchen
Lesefrüchtchen
Gratwanderung
Gratwanderung
Polarpsychiater
Polarpsychiater
praxisnah
praxisnah