DÄ plusBlogsVom Arztdasein in AmerikaBald Maschine statt Mensch – die Internistenmaschine
Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vom Arztdasein in Amerika

Bald Maschine statt Mensch – die Internistenmaschine

Dienstag, 3. Juli 2012

Im Rahmen der Abschiedsfeier (siehe Blogeintrag Abschiedsfeier) hielt einer der Oberärzte eine zwanzigminütige Rede. Wir Assistenten der letzten Ausbildungsjahrgangsstufe hatten der Tradition entsprechend ihn in einer internen Wahl ausgewählt: Er war Internist und gleichzeitig Neurologe, mittlerweile ausschließlich als Apoplexspezialist tätig. Wir hatten ihn deswegen ausgewählt, weil er neben hohem Fachwissen und Intelligenz auch viel Witz und Kauzigkeit mitbrachte, eine Kombination die ihn zu einer beinahe schillernden Person in unserem Krankenhaus macht.

Entsprechend fiel dann auch die von ihm gehaltene Abschiedsrede aus; sie enthielt kluge Ratschläge, viele Witze, zum Teil derbe Seitenhiebe auf Kollegen, aber auch so manche Schrulligkeit. Am kontro­versten war seine mit recht viel Detail vorgetragene Prognose, dass Internisten ab etwa 2025 nicht mehr gebraucht würden und von Rechnern ersetzt werden würden.

Dass EDV-Programme in knapp 15 Jahren internistische Aufgaben besser, effizienter und auch billiger bewerkstelligen würden. „Verdienen Sie lieber schnell Geld, sparen Sie es, denn bald braucht man Sie nicht mehr”, hatte er uns zugerufen – nicht gerade aufmunternde Worte auf einer Abschiedsfeier. Er ist eben etwas schrullig, und wir hatten gelacht, als er das sagte. Doch was ist wenn er Recht behält?

Anzeige

Zum Glück habe ich noch 15 Jahre Facharztdasein bis dahin. Außerdem muss ich mir um die Stabilität des US-Dollars nicht so viele Gedanken machen wie in manchen anderen Ländern der westlichen Welt. Sollte ich also in 15 Jahren durch eine Maschine bzw. ein Programm ersetzt werden, kann ich mir immerhin noch recht sicher sein, dass die Währung, in der ich mein Geld angespart habe, wohl noch existieren wird.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
Alle Blogs
Gesundheit
Gesundheit
Vom Arztdasein in Amerika
Vom Arztdasein in Amerika
Frau Doktor
Frau Doktor
Pflegers Schach med.
Pflegers Schach med.
Dr. werden ist nicht schwer...
Dr. werden ist nicht schwer...
Global Health
Global Health
Dr. McCoy
Dr. McCoy
Das lange Warten
Das lange Warten
Sea Watch 2
Sea Watch 2
PJane
PJane
Praxistest
Praxistest
Res medica, res publica
Res medica, res publica
Studierender Blick
Studierender Blick
Britain-Brain-Blog
Britain-Brain-Blog
Unterwegs
Unterwegs
Lesefrüchtchen
Lesefrüchtchen
Gratwanderung
Gratwanderung
Polarpsychiater
Polarpsychiater
praxisnah
praxisnah