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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Wer will die Unversicherten?

Freitag, 13. Juli 2012

Zweimal in der Woche muss ich den Unversichertenpiepser tragen. So nenne ich den Aufnahmepiepser, den ich als Internist dann zugeteilt bekomme und mit dem die Notaufnahme mich tagsüber anpiepst, um mir die Patienten, die keinen Hausarzt haben („unassigned patients” im offiziellen Sprachduktus), zu übergeben. Das sind zu 90% Menschen ohne Kran­ken­ver­siche­rung. Sie sind meistens arm und überdurchschnittlich oft alkohol- oder drogenabhängig und übergewichtig.

Viele meiner Kollegen stöhnen über diese Patienten: Sie haben keine Kran­ken­ver­siche­rung und oft ein gesundheitsabträgliches Verhalten. Da sie keine Kran­ken­ver­siche­rung haben, stellt der Arzt dem Patienten direkt die Rechnung für seine Dienste und nicht sowohl der Kran­ken­ver­siche­rung als auch dem Patienten. Viele von den unversicherten Patienten sind jedoch mit der Krankenhaus- und Arztrechnung überfordert und besitzen ein zu niedriges Einkommen, um es verpfänden lassen zu können; so verfallen die Rechnungen sehr oft trotz Nichtbezahlens nach wenigen Jahren.

Das erklärt, wieso viele Ärzte diesen Piepser ungern tragen: Er bedeutet viel Arbeit bei oft geringer bis keiner Bezahlung. In solchen Situationen geht das Krankenhaus leer aus, die Ärzte gehen leer aus, der Patient wird trotzdem gesund gemacht. Das alles ist schoen seit Jahrzehnten so und hat nichts mit der "Obamagesundheitsreform" zu tun.

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Dass der Patient uns Ärzte trotz Nichtbezahlens dennoch verklagen kann, klingt ironisch, ist aber so. Die USA sind eben ein wenig anders.

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Avatar #654265
JuliNi
am Dienstag, 17. Juli 2012, 11:09

Der Arzt Petrulus

Sehr geehrter Herr Sachse,

ich bitte Sie den Artikel „Wer will die Unversicherten?“ (Freitag, 13. Juli) von Petrulus noch einmal genau zu lesen. In seinen Ausführungen erwähnt Petrulus mit keinem Wort, dass ihm das Behandeln von Patienten, die keine Kran­ken­ver­siche­rung haben, „Probleme macht“, geschweige denn dass er diesen Piepser ungern trägt. Er entwirft lediglich ein realistisches Bild von den amerikanischen Verhältnissen – und diese können uns gefallen oder auch nicht. Wahr ist auf jeden Fall, dass Petrulus ein brillanter Arzt ist, auf den unsere Welt ganz sicher nicht verzichten kann. Etwas anderes zu behaupten ist deswegen tatsächlich unverschämt.

Mit freundlichen Grüßen
Julia N.
Avatar #87388
Andreas Skrziepietz
am Samstag, 14. Juli 2012, 14:18

Ich finde Petrulus gut

Er hat eine gesunde und realistische einstellung. das hier:
"Ich dachte immer Menschen die Aerzte werden wollen haben ein inneres Beduerffnis anderen Menschen zu helfen."
gilt nur in Deutschland und auch nur für Mitglieder des MB.
Avatar #98677
lsachse
am Samstag, 14. Juli 2012, 01:16

Wer will dei Unversicherten!

Als einer der fast 30 Jahre in den USA lebt ist es peinlich einen solchen Artikel von einem Arzt zu lesen. Ich bin der Meinung Sie sollten Ihren Beruf wechseln wenn Ihnen das behandeln von Unversicherten solche Probleme macht.
Ich dachte immer Menschen die Aerzte werden wollen haben ein inneres Beduerffnis anderen Menschen zu helfen.
Ausserdem, wie Sie die Unversicherten darstellen, stellen Sie sich ein totales Armutszeugnis aus, insbesondere als Arzt. Diese Aroganz tut unheimlich weh. Ich werde Ihnen die ueber 3o Millionen Amerikaner (Unversicherte) schicken. Vielleicht geben Sie ja dann das Arztsein auf. Waere eine Wohltat fuer die Menschen.
L.Sachse
LNS
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