Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Der ideale Arzt

Dienstag, 17. Juli 2012

Meine Facharztkollegen, die zum Teil schon seit dreißig Jahren fachärztlich-internistisch arbeiten, trösteten mich am Ende eines meiner anstrengendsten Tage: Ich hatte zwanzig Patienten visitiert, davon acht entlassen und sechs weitere aufgenommen – ein hohes Pensum im Vergleich zu meiner Facharztausbildungszeit in Minneapolis. Mich belastete am meisten der Gedanke, dass ich den ganzen Tag hin und her gerannt war und trotzdem das Gefühl hatte, nicht genügend Zeit für all meine Patienten zu haben.

Es geht hier letztlich um die Frage des idealen Arztes. Im Idealfall sollte dieser sich ausreichend Zeit nehmen, in manchen Fällen mehrere Stunden, um eine Patientenanamnese zu erheben, ihn zu untersuchen und im Anschluss seine Eindrücke und den Therapieplan gründlich zu erklären. Dabei sollte er kosteneffizient Diagnostik und Therapie anordnen und den Patienten dennoch schnellstmöglich kurieren.

Weiterhin sollte er sich die Zeit nehmen, den Familienangehörigen die Therapie zu erläutern, zum Teil sich dabei wiederholen zu müssen und geduldig jede Frage beantworten. Zudem kommuniziert er im Idealfall direkt mit seinen anderen Arztkollegen und der Krankenpflege, die sich ebenfalls engagiert um den jeweiligen Patienten kümmern. Darüberhinaus sollte er die begrenzte Ressourcen der Gesellschaft sinnvoll einsetzen und selber uneigennützig nur finanziell das vom Patienten und der Gesellschaft fordern, was sie bereit ist ihm zu bezahlen, ohne dass es ihm oder ihr weh tut.

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In seiner Freizeit recherchiert er unklare Sachverhalte und schmökert in Fachjournalen, auf der Suche nach neuesten Forschungsergebnissen, die seine Arbeit noch besser werden lässt, obwohl sie sowieso schon exzellent ist. Er hat dauernd gute Laune, damit die gesamte Behandlungsmannschaft von seinem Enthusiasmus angesteckt wird und der Patient in fröhlicher Atmosphäre genesen kann.

Ist das möglich, fragten mich meine Kollegen. Und munterten mich mit dem Gedanken auf, dass Nichtmenschliches nur von nichtmenschlichen Wesen verlangt werden kann.

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Avatar #643798
hasler
am Donnerstag, 19. Juli 2012, 09:25

Der ideale Arzt in der Klinik - der ideale Arbeitgeber

Den wünschenswerten idealen Arzt in der Klinik kann es nur geben, wenn der ideale Arbeitgeber (Verwaltung - Chefarzt) ideale Rahmenbedingungen schafft.
Dies ist derzeit leider nur in wenigen Kliniken realisiert.
Von den Extrempunkten gibt es für Sie nur zwei Möglichkeiten:
Sie opfern sich auf zu Gunsten von Arbeitgeber (spart Personal ein) und Patient wie Mutter Theresa oder Sie erklären sich für diese Missstände nicht zuständig und halten Ihre Arbeitszeit ein und arbeiten gründlich. Die sich daraus ergebenden Probleme sind Sache des Arbeitgebers. Für Sie gibt es natürlich eine mittlere Lösung mit mangelhaften Kompromissen.
Diese Problematik wurde sehr gut in einem Artikel der FAZ dargestellt: "Generation Y".
Hier der Link
http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin/generation-y-der-alte-arzt-hat-ausgedient-11729029.html

Mit freundlichen Grüßen
vom "Alten Arzt"
LNS
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