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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Unsoziale Gesundheitsversorgung

Montag, 27. August 2012

Es muss sich wohl um ein Entwicklungsland handeln, um den es in einem kürzlich erschienenen FAZ- Artikel geht: http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/serie-arbeiten-ohne-geld-mit-haenden-und-fuessen-11842031.html. In diesem wird geschildert, wie ein Arzt ehrenamtlich ohne Gehalt arbeitet, weil ein Staat nicht all seinen Bewohnern eine Krankenversicherung bietet. Handelt es sich bei diesem Staat um Uganda? Tadschikistan? Oder die USA, die gemeinhin in Europa den Ruf hat, unsozial mit vielen Bevölkerungsgruppen – vor allem den wenig finanzstarken – umzugehen?

Ach nein, es ist Deutschland im Jahr 2012. In diesem FAZ-Artikel wird unterschweillg suggeriert, dass der deutsche Staat wieder einmal seiner Pflicht nicht nachgekommen sei, alle Lücken im Sozialnetz geschlossen zu haben und es zudem verpasst habe, seine Ressourcen von den starken auf die schwachen Schultern umzuverteilen und von den Gebewilligen zu nehmen für die Bedürftigsten.

Doch wer den Artikel liest, merkt schnell, ob er in den USA eher pro oder kontra Staat wäre, ob der Staat jedes auftretende Problem lösen soll, ob Geld für die Lösung jedes Missstandes überhaupt zur Verfügung stehen kann, ob es nicht eine Grenze auch des groβzügigsten Sozialstaates gibt. Es kommen dann US-typische Fragen auf: Hat ein Bürger für das gesamte Leid der Nation durch Steuer- und Abgabelasten zu bürgen? Wie unendlich sind Ressourcen und wieviel des Erarbeiteten darf man behalten?

Wer auch nur ansatzweise so denkt, der beginnt wie ein US-Republikaner zu denken. Wer dann anfängt zu denken, dass der eigene Mund einem manchmal näher ist als der fremde, der ist gar nicht mehr so weit von Mitt Romney entfernt. So einfach kann die US-Politik sein.

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