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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Die Autos der Ärzteschaft

Montag, 10. September 2012

Ärzte in den USA haben so manche Privilegien in den Krankenhäusern: Sie haben rund um die Uhr Zugang zu einer Arztkantine, in denen Getränke und diverse Imbisse sowie die Hauptmahlzeiten kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Sie haben eigene Telefonnummern für ihre IT-Belange und Administrations­fragen und eigene Parkplätze, oft überdacht und immer so nahe wie möglich an den Kranken­haus­eingängen. Man fühlt sich dadurch wie ein wichtiger Angestellter des Krankenhauses und damit hoch geschätzt.

Nach meiner Visite ging ich heute zu meinem Auto und dabei an vielen Arztparkplätzen vorbei. Ich will einmal einige der Autos aufzählen, die dort geparkt standen: Porsche Cayenne, Porsche Carrera, BMW X5, Audi Q7, Lexus LX, Range Rover Sport und eine Bugatti Veyron 16.4 fielen mir sogleich auf. Es gab auch einige für US-Verhältnisse Durschnittsautos wie einen Jeep Wrangler, einen Ford F-150 und eine Minder­heit der Ärzte fuhr Kleinautos wie einen VW Golf oder einen Nissan Versa. Natürlich waren fast alle dort geparkte Autos brandneu oder nur wenige Jahre alt.

Ich erinnerte mich bei meinem Spaziergang unwillkürlich an den Arztparkplatz in Deutschland: Einige VW Golfs und Opel Corsas, einen C-Klasse Mercedes des Chefarztes und sehr viele Fahrräder. Was sagt das über die Vergütungs- und Einkommenssteuersituation in Deutschland aus?

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Avatar #87388
Andreas Skrziepietz
am Freitag, 14. September 2012, 13:40

Einen Bugatti Veyron braucht niemand auf dieser Welt, auch kein Arzt...

genau das ist der Grund, warum er so teuer ist. es braucht übrigens auch niemand einen fußballbundestrainer, der für 6 mios meint, mit einem kinderkreuzzug die wm gewinnen zu können.
und sepp ackermann braucht auch keine 15 mio/jahr.
ich finde ja, daß klinikärzten künftig ein bett+spind im sechsbettzimmer zugeteilt werden sollte, dann könnte das gehalt auf alg2-niveau gesenkt werden. die differenz kriegen die banken.
Avatar #88255
doc.nemo
am Freitag, 14. September 2012, 11:42

Niemand braucht einen Bugatti Veyron

"...Porsche Cayenne, Porsche Carrera, BMW X5, Audi Q7, Lexus LX, Range Rover Sport und eine Bugatti Veyron 16.4..."
Nicht zuletzt deshalb ist das amerikanische Gesundheitswesen eines der teuersten der Welt. Einen Bugatti Veyron braucht niemand auf dieser Welt, auch kein Arzt...
Avatar #102327
Mira59
am Mittwoch, 12. September 2012, 19:44

24 h Kantine

Ja, das die Ärzte und das medizinische Personal überhaupt eine 24stündige Versorgung bekommen sehe ich als dringend notwendig an, denn diese Berufe sind einfach so gefordert, dass die Teilnahme an geregelten Kantinenmahlzeiten nicht immer möglich ist.
Und dann kann eben das, was mir als Patientin vor 34 Jahren passiert ist und wirklich nicht toll war, einfach nicht mehr passieren, dass nach erfolgter Entbindung ich mit offenen Beinen, geschnitten und gerissen erst einmal unversorgt liegen gelassen wurde, da ansonsten die Kantine geschlossen gewesen wäre.
Natürlich fragte mich der Doc, ob das in Ordnung wäre und er war auch sehr nett, aber was hätte ich frisch entbunden, sehr jung und mitfühlend denn sagen sollen??!!
So etwas kann ich mir heute aber auch nicht mehr vorstellen.
Und glücklicherweise hab ich nach dieser ersten durch mehrere Gesamtumstände einer traumatischen Entbindung noch zwei erleben durfte, wobei die letzte vor 19 Jahren ein wirklich gutes Erlebnis war :-)
Ich hoffe auf jeden Fall, dass nie wieder jemand vor dem Nähen erst eine halbe Stunde zu Tisch geht und bei einer Rundumversorgung wird das wohl auch nie wieder passieren :-)
Avatar #647195
orangencreme
am Dienstag, 11. September 2012, 10:45

Gestern in der zentralen Notaufnahme

Nachtdienst eines Assistenzarztes gestern in einer zentralen Notaufnahme / Ambulanz eines Großklinikums in Deutschland:
Dienstbeginn und Bitte an die zwei Schwestern des internistischen Bereichs einen der wartenden Patienten in den Behandlungsraum zu holen.
Antwort: "das kannst du auch mal selbst tun."
Entgegnung, dass die Aufabenverteilung das nicht vorsieht und ich es auch nicht vorhabe. Erklärung, dass man als Pflegekraft ja auch das Blut abnehme, also "ärztliche Aufgaben" ausführe, da könne ich auch mal den Patienten holen, danach wird unter Protest einer der Patienten geholt.
Am Morgen dann Dokumentation der abzurechnenden Leistungen durch den Arzt: d.h. u.a. das durchgeführt Labor, in der Datenbank gespeichert, wird mit einem Kreuzchen für jeden einzelnen Parameter auf einem Zettel durch den Arzt handschriftlich markiert, neben den anderen durchgeführten diagnostischen und therapeutischen Leistungen. Klar, dass die Pause oft nicht zu nehmen ist und Überstunden nicht vorgesehen sind.

Arzt ist nicht nur ein nichtkommerzieller Beruf, es ist auch ein sehr universaler und ganzheitlicher Beruf, der - wie sicherlich viele andere beruflichen Tätigkeiten auch - mit etwas Demut noch schöner ist.
Avatar #87388
Andreas Skrziepietz
am Montag, 10. September 2012, 19:04

Was sagt das über die Vergütungs- und Einkommenssteuersituation in Deutschland aus?

Das wissen wir doch. Um es mit den Worten von Pg Hoppe zu sagen: Arzt ist ein nichtkommerzieller Beruf.
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