Vom Arztdasein in Amerika

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Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Arztassistenten

Donnerstag, 27. September 2012

In meiner Internistengruppe gibt es Arztassistenten (Physician’s Assistant). Das ist ein Konzept, bei dem ärztliche Aufgaben von medizinisch zwei- bis dreijährig studierten Nichtärzten, eben Arztassistenten, übernommen werden. Studiengänge hierzu werden seit jüngster Zeit auch in Deutschland angeboten, wie z.B. an den Fachhochschulen in Karlsruhe oder Rheine. Das Berufsbild und Studium des Arztassistenten wird dabei wie folgt verstanden: „Der Bachelor-Studiengang [Arztassistent] Physician Assistant qualifiziert für die eigenständige, ärztlich delegierte Assistenz­tätigkeit im Berufsfeld des Operationsdienstes, der Intensivstation, der Notfallambulanz, der Dialyse und der Funktionsdiagnostik” (Quelle: http://www.mhrheine.de/index.php?option=com_content&view=article&id=24&Itemid=54).

Arztassistenten stellen die erste Assistenz bei chirurgischen Eingriffen dar, sind für die chirurgische Hauptvisite verantwortlich, erledigen die ersten Verbandswechsel nach Operationen etc. Auch bei Internisten übernehmen sie seit vielen Jahren wesentliche Aufgaben in der Visite und Erstbetreuung von Patienten. Dabei ist die Hauptaufgabe der Arztassistenten zweigeteilt: Sie sollen uns Ärzte Arbeit abnehmen, uns so entlasten in einem normalerweise sehr vollen Arbeitstag und dabei Patienten derart gründlich visitieren, dass wir Internisten beispielsweise nur noch eine kurze Stippvisite zu machen haben wie z.B. der Oberarzt in Deutschland bei der Oberarztvisite. Weiterhin sollen sie unsere Effizienz steigern, also ein höheres Patientenvolumen pro Arzt ermöglichen, wodurch die Internistengruppe mehr Geld einspielt.

Denn ganz billig sind sie nicht: Sie arbeiten vier Tage die Woche von morgens 7 bis abends 17 Uhr, nur ein Wochenende pro Monat und verdienen dafür knapp 95.000 US-Dollar pro Jahr. So mancher deutscher und europäischer Arztkollege wünscht sich solch ein Gehalt und Arbeitszeiten.

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Mit solch einem Arztassistenten habe ich zum ersten Mal nun zusammen gearbeitet: Bekam ich eine Aufnahme, gab ich sie an ihn weiter. Er nahm den Patienten auf, schrieb alle Anweisungen, erledigte all die zu anfallenden organisatorischen Arbeiten, schrieb den Aufnahmearztbrief und stellte mir den Fall dann zusammen mit 20 anderen von ihm visitierten Patienten nachmittags vor. Ich visitierte alle Patienten danach gemeinsam mit ihm – das dauerte mich insgesamt wohl knapp anderthalb Stunden – und unterschrieb all seine Arztbriefe und Anweisungen, also ähnlich einer Oberarztvisite. Dadurch konnte ich deutlich mehr Patienten an jenen Tagen sehen als bislang.

Ich bin nur bedingt glücklich mit solch einer Arztassistentenkonstellation, denn ich konnte die Patienten nicht so gut kennenlernen wie bei einer eigenen Visite. Auβerdem haftet letztlich der betreuende Arzt für die Therapieentscheidungen des Arztassistenten mit. Entsprechend kritisch sehe ich die Einführung dieses US-Berufsbildes in Deutschland und habe auch gegen eine weitere Einstellung von Arztassistenten in meiner Gruppe gestimmt.

Doch US-Politiker gehen davon aus, dass angesichts eines Arztmangels und seiner hohen Kosten die zunehmende Umverteilung auf Arztassistenten zukunftträchtig ist. Sie erhoffen sich eine gewisse Konkurrenz mit marktverbessernden Effekten. Aber im Gegensatz zum arzttätigen Pfleger (nurse practitioner), von dem ich an anderer Stelle einmal berichten werde, ist der Arztassistent eben an den Arzt gebunden, ein Assistent, und damit kein vollwertiger Arztersatz.

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