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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Ausländische Ärzte wandern aus Deutschland in die USA

Montag, 1. Oktober 2012

Im Rahmen eines kurzen Deutschlandaufenthaltes ging ich zur US-Botschaft in Berlin. Beim Warten fiel mir auf, das mehrere ausländische, sehr gut deutsch sprechende Ärzte dort ein US-Arbeitsvisum beantragten. Wir kamen ins Gespräch: Es waren allesamt Ärzte aus dem nicht-europäischen Ausland, die zum Teil schon zehn Jahre als Arzt in Deutschland gearbeitet hatten, nun aber in die USA auswandern wollten. Die Gründe waren die üblichen: Bessere Bezahlung, niedrigere Steuern, geringere Bürokratie, erhoffte bessere Arbeitsbedingungen und besseres Leben.

Statistische Zahlen belegen diesen Exodus ausländischer Ärzte hinaus aus Deutschland; sie sind überproportional stark hieran beteiligt: Obwohl ausländische Ärzte nur 12% der in Deutschland tätigen Ärzteschaft ausmachen (http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=0.3.10275.10285), machen sie 31,5% der abwandernden Ärzte (http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=0.3.10275.10306) aus. Dies Phänomen zeigt, dass von außen in das System hereingekommenen Menschen flexibler und sensibler auf negative und positive Systemkennzeichen und –veränderungen reagieren als in dem System selbst sozialisierte Menschen. Dieses Phänomen des Abzugs hochausgebildeter Akademiker, dem brain drain, steht Deutschland hilflos gegenüber. Denn solange Ärzte über ihren Tellerrand hinausschauen und bessere Arbeitsbedingungen in andere Länder erkennen, werden sie ab einer bestimmten Schmerz- bzw. Attraktionsgrenze abwandern. Bei nicht deutschen Ärzten liegt diese psychologische Grenze wahrscheinlich niedriger als bei deutschen.

Überspitzt gesagt könnte man sagen, dass die besten Zuwanderer erst gar nicht nach Deutschland kommen und unter den restlichen Zuwanderern die besten nach einigen Jahren in für sie attraktivere Länder gehen. Daher war ich auch nicht erstaunt zu hören, dass die in der Botschaft getroffenen Arztkollegen allesamt gute (aber nicht auf dem Niveau der besten Ausländerärzte in den USA) Noten und Referenzen vorzuweisen hatten.

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Wenn sie sich in den USA dann jedoch als faule oder schlechte Ärzte entpuppen sollten, werden sie einfach wieder nach Europa zurück geschickt werden, da sind die US-Amerikaner rigoros; aber jetzt erhalten sie erst einmal eine Chance, sich zu behaupten und das dafür notwendige zeitlich begrenzte Visum.

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