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Vom Arztdasein in Amerika

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Unversicherte Patienten – Teil I

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Viele Dinge sind mir als Arzt nur bedingt begreiflich; so kann ich nicht verstehen, wie Menschen zwar an jeder Stelle betonen, wie wichtig ihnen ihre Gesundheit ist, nicht aber hiernach leben, sondern Wort und Tat oftmals eklatant auseinanderklaffen. In diese Richtung geht auch, dass viele erwachsene US-Amerikaner unversichert sind. Das verstehe ich einfach nicht: Wieso man den Abschluss einer Kran­ken­ver­siche­rung nicht als sehr hohe Priorität ansieht, höher als die eines Mobiltelefon- oder eines Autokaufes beispielsweise.

Mancher Leser mag bei sich denken, dass solch eine Kran­ken­ver­siche­rung in den USA sehr teuer ist. Doch das ist eben nicht der Fall. Zunächst muss man wissen, dass viele Arbeitgeber in den USA eine Kran­ken­ver­siche­rung anbieten. Ist dies nicht der Fall, kann man eine privat abschlieβen.

Ein kurzer Blick auf die Internetseite http://health.usnews.com/health-insurance zeigt auf, dass ein 25-jähriger Mann schon für knapp $42 monatlich eine Kran­ken­ver­siche­rung haben kann. Für $72 monatlich sogar die sehr gute Blue Cross-Blue Shield Kran­ken­ver­siche­rung besitzen kann mit nur bedingt hohen Zusatzkosten. Bei Frauen ist die monatliche Gebühr wegen möglicher Schwangerschaft und statistisch leicht erhöhten Krankheitsfällen, aber bei monatlichen Beiträgen zwischen $70 und $90 immer noch erschwinglich. Eine Autoversicherung oder Mobiltelefonvertrag kostet in den USA meistens mehr. Wieso schlieβen viele Menschen solch eine Kran­ken­ver­siche­rung also nicht ab?

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Es ist ein kurzsichtiges Verhalten: Vordergründig betonen die meisten Menschen zwar die Wichtigkeit ihrer Gesundheit, hintergründig zeigt ihr Verhalten jedoch, dass sie ihren eigenen Konsum oft ihrer Gesundheit vorziehen. Ist es dann nicht unverschämt, wenn sie auf der einen Seite ihren Konsum wie Auto und Mobiltelefon frönen, aber von der Gesellschaft verlangen, dass diese ihnen ihre Kran­ken­ver­siche­rung zahlen soll?

Leserkommentare

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Avatar #96694
Bruddler
am Montag, 8. Oktober 2012, 19:35

Vorsicht, Kleingedrucktes !

Patroklos hat völlig recht. Diese Billigversicherungen sind nichts wert. Erstens wegen dieser hohen Deductibles. Aber vor allem, weil sie vom Versicherer KÜNDBAR sind. Du krank > Versicherung weg. Das muss Petrulus noch lernen.
Avatar #87388
Andreas Skrziepietz
am Montag, 8. Oktober 2012, 16:44

Und die haben alle das Wahlrecht

das ist das wirklich schlimme daran. Zum Glück nehmen sie es in den USA meistens nicht wahr.
Avatar #103205
Patroklos
am Freitag, 5. Oktober 2012, 15:07

Copay, Deductible, Out-of-Pocket Limit.

Da ich mich mit dem US- System nicht auskenne, habe ich den von Ihnen zitierten Link einmal unter die Lupe genommen.
Wenn ich es recht verstehe, zahlt die genannte Kran­ken­ver­siche­rung bei 43$ Monatsbeitrag erst, wenn der Patient ca. 6000$ Kosten(Deductible, Copay, Out-of-Pocket-Limit) pro Jahr selbst getragen hat.
Das lohnt sich für junge Menschen doch meist wirklich nicht!
LNS
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