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Dr. werden ist nicht schwer...

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Das PJ ist überstanden, das Examen rückt näher. Die Doktorarbeit wartet und bei der Wahl der Facharztrichtung gibt es mehr Optionen als bei einer Frage des IMPP. Dieser Blog begleitet den Weg von Anton Pulmonalis ins Examen und in die Zeit danach.

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Dr. werden ist nicht schwer...

Krankenhaustüren verriegelt – VON INNEN!!!

Montag, 12. November 2012

Derzeit kämpft meine Klinik – wie bereits zuvor erwähnt – mit diversen strukturellen Schwierigkeiten. Ein Hauptproblem scheint hierbei das Erreichen von Zielfallzahlen zu sein. Mein Chef verpasst keine Gelegenheit zu betonen, dass wir mehr Fälle brauchen. Nebenbei verpasst er keine Gelegenheit, mir suspekter zu werden. Neulich traf er mich zufällig in seinem Vorzimmer an, als ich die Karteikarte eines Privatpatienten zurückbrachte. Spontan lud er mich in sein Zimmer, um mir eine erste Rückmeldung zu geben.

Ich würde einen sehr guten Eindruck machen, das hätte auch jener gesagt und wenn der das sagt, was ja sehr selten vorkommt… Außerdem hätte ich eine große Zukunft vor mir und müsste mir auch überhaupt keine Sorgen über die Probezeit machen, SOFERN… Kunstpause und Umschwenken von wohlwollend freundlich zu todernst… die Fallzahlen stimmen. Es hatte was von Brunetti und Patta, nur war ich nicht so gerissen wie Brunetti, meinen Chef gleich zu durchschauen. 

Dieses Thema scheint nun auch zu einem der Lieblingsthemen der Oberärzte geworden zu sein. Uns Assistenten wurde sogar kürzlich folgender oberärztlicher Auftrag gegeben: Jeden Patienten aufnehmen, der sich sozusagen nicht mit Händen und Füßen gegen einen stationären Aufenthalt wehrt. Dann wurden noch ein paar Tipps gegeben, wie man das am besten begründet...

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Hatte eine Lehrstunde – auch wenn anders als vom Oberarzt erdacht,

Euer Anton Pulmonalis

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Avatar #647195
orangencreme
am Donnerstag, 22. November 2012, 01:17

"Ökonomische Indikation" versus medizinische Indikation

Hallo Plumpsklo,

Sie erklären die Verwunderung des Kollegen Anton über die Anordnung zur Erhöhung der Fallzahlen unabhängig von der medizinischen Indikation hier ganz nonchalant als durch das jugendliche Alter, sprich Naivität, begründet und stellen offen fest, dass eine "nur" Medizin ... ohne ökonomische Hintergedanken ... heutzutage leider schon lange nicht mehr möglich" ist.
Wenn ich die Selbstverständlichkeit mit der sie das schreiben so auf mich wirken lasse, frage ich mich erstens, was ist das für eine Ärzteschaft, in der so eine Aussage völlig unkommentiert bleibt.
Zweitens frage ich mich und Sie, wie weit würden Sie denn gehen, bei der Gewichtung "ökonomischer Hintergedanken" gegenüber der medizinischen Indikation im Interesse des Patienten ? Würden Sie persönlich einfach "nur" seine Zeit und Aufmerksamkeit für ökonomisch begründete Diagnostik und Therapie beanspruchen, würden Sie auch eine vorübergehende Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit in Kauf nehmen oder würden Sie auch das - vielleicht geringe, vielleicht höhere - Risiko einer dauerhaften Schädigung bei z.b. ökonomisch motivierten invasiven Maßnahmen in Kauf nehmen ?
Fänden Sie das auch noch ok, wenn ein Kollege jeweils entsprechendes an Ihrer Mutter vornimmt ?

Und wie stehen dazu eigentlich die Kollegen, die hier sonst noch mitlesen ?
Gibt es hier eventuell noch andere Kollegen, die auch der Ansicht sind, dass wir hier - bei in der Praxis aus "ökonomischer Indikation" durchgeführter ärztlicher Diagnostik und "Therapie" - über einen Skandal und eine ethische Bankrotterklärung des so Handelnden sprechen ? Im Einzelfall vielleicht auch über ein Handeln sprechen, dass die Kriterien eines Straftatbestandes erfüllt, auch wenn dieser schwer nachweisbar sein sollte ?

Im übrigen gehört zu Klärung der medizinischen Indikation auch die Abklärung des Therapieziels für den Patienten im Gespräch mit diesem, z.B. ist es für den einen Symptomkontrolle für den anderen Prognoseverbesserung. Die Verbesserung der ökonomischen Situation des Arztes oder Arbeitgebers als Therapieziel hat sich zumindest im offiziellen Sprachgebrauch noch nicht etabliert, so dass die Verwunderung des Kollegen Anton durchaus berechtigt ist.

Was Ihren Verweis auf die "entsprechenden Vorgaben von der Verwaltung" betrifft, gilt, dass der Arzt in seinem medizinischen Handeln gegenüber nichtärztlichen Dritten prinzipiell weisungsunabhängig ist. Wer Arzt sein will und das aus den Augen verloren hat, sollte sich dringlich darauf rückbesinnen.
Avatar #90841
Plumpsklo
am Sonntag, 18. November 2012, 13:13

Und noch eine Lehrstunde...

...ist aber nicht böse gemeint: glauben Sie, Ihr Chef hat auf so etwas Lust? Ohne ihn persönlich zu kennen, kann ich das natürlich nicht abschließend beantworten. Sehr wahrscheinlich ist aber, dass er entsprechende Vorgaben von der Verwaltung bekommt. Einfach "nur" Medizin machen ohne ökonomische Hintergedanken ist heutzutage leider schon lange nicht mehr möglich. Ihr jugendliches Alter mag Sie bisher vor dieser Erkenntnis geschützt haben - jetzt ist es aber soweit :-)
LNS
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