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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Diabetes: Apps-Anreger für die notwendige Diät

Montag, 17. Dezember 2012

Vor zehn Jahren lieferte das Diabetes Prevention Program (DDP) den überzeugenden Beweis, dass ein drohender Diabetes durch eine Änderung des Lebensstils abgewendet werden kann. Die Reduktion der Neuerkrankungsrate um 58 Prozent, der die Wirkung von Metformin übertraf, ist ein vielzitiertes Ergebnis dieser Studie. Die Prinzipien der DDP werden jedoch selten im ärztlichen Alltag umgesetzt. Das dürfte zum einen an den Motivationsproblemen vieler adipöser Patienten liegen. Zum anderen fehlt vielerorts die Infrastruktur mit ausgebildeten Diätberatern, die eine Face-to-Face-Beratung durchführen könnten. Doch das könnte im Zeitalter der elektronischen Gadgets gar nicht mehr notwendig sein.

In der „E-LITE“ haben Gesundheitsforscher der kalifornischen Stanford University den Diätberater kurzerhand durch eine DVD ersetzt. Sie sollte den Teilnehmern den Lehrstoff aus 12 Diätberatungen zum Group Lifestyle Balance-Programm vermitteln, einer Modifikation des DDP-Programms. Die Teilnehmer wurden außerdem motiviert, sich im Internet beim heart360.org-Programm der American Heart Association einzuloggen. Außerdem erhielten sie regelmäßig aufmunternde E-Mails.

Das Ergebnis war eine Gewichtsabnahme „light“. Während die Teilnehmer der Diätberatungen ihren Body-Mass-Index (BMI) um 2,2 Punkte senkten, schafften die DVD-Geschulten „nur“ eine Reduktion um 1,6 Punkte. Das war aber immer noch mehr als in einem dritten Studienarm ohne intensive Diätberatung. Dort sank der BMI um 0,9 Punkte. Auch wenn die Unterschiede zwischen den drei Armen nicht signifikant waren, bietet sich die DVD als niederschwelliges Angebot an, das ohne hohe Kosten realisiert werden kann.

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Etwas ambitionierter war ein Programm der Northwestern University in Chicago. Dort wurden die Teilnehmer mit einem PDA (personal digital assistent) ausgerüstet, in den sie die verzehrten Nahrungsmittel eingeben sollten. Ein „Thermometer“ zeigte ihnen dann ihren aktuellen Kalorientageswert an. Die Daten wurden alle zwei Tage an einen Ernährungsberater übermittelt. Zum Feedback gehörten Ratschläge für sportliche Bewegungen, die dann in ein zweites Thermometer einflossen. Alle zwei Wochen wurden die Erfolge auf einem Gruppentreffen besprochen. PDA und Schulung sollten den Teilnehmer helfen, ein Gefühl für die Energiebilanz ihres Körpers entwickeln. Das PDA-Programm war erfolgreich. Die Teilnehmer nahmen im Durchschnitt 8,6 Pfund ab, bei den motivierten Teilnahmen (die 80 Prozent der Sitzungen besuchten) kam es sogar um eine Gewichtsreduktion um 15 Pfund.

Das Ergebnis zeigt erneut, dass Diäten nur gelingen, wenn die Patienten begreifen, dass eine langfristige Umstellung der Lebensweise notwendig ist und wenn sie sich dafür motivieren lassen. Die interaktiven Medien können helfen, die Patienten bei der Stange zu halten. Die Interventionen fanden zwischen 2007 und 2010 statt. Damals mögen PDA und DVD noch zeitgemäß gewesen sein. Inzwischen haben viele Laptops kein DVD-Laufwerk mehr und PDAs sind längst vom Markt verschwunden. Als Medien bieten sich heute Smartphones und Tablets an, die mit ihren Möglichkeiten die Diätberatung verbessern und für den Betroffenen auch interessanter machen. Inzwischen gibt es Apps, die aus dem Barcode der Verpackungen auf die Kalorienmenge schließen. Viele Diätwillige lassen sich dadurch, wenigstens vorübergehend – motivieren.

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