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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Brustkrebsstudien: Spins und Bias beschönigen Ergebnisse

Freitag, 11. Januar 2013

Als Spin-Doctor werden in der Politik die Berater bezeichnet, die Ereignisse und Entscheidungen mit „dem richtigen Dreh“ (englisch spin) versehen, damit sie von den Medien positiv bewertet werden und die Wiederwahl sichern. Eine gewisse Verzerrung „bias“ der Tatsachen ist dabei durchaus üblich. Spins und Bias sind auch in wissenschaftlichen Studien häufig, wie Forscher der Universität Toronto jetzt in Analyse von 164 Studien zur Behandlung des Mammakarzinom zeigen. Es handelt sich ausschließlich um Phase-III-Studien mit einer Teilnehmerzahl von mehr als 200 Teilnehmern, von denen viele, auch wenn sie in der Publikation nicht genannt werden, einflussreich für Therapie-Leitlinien und heutige Therapieentscheidungen gewesen sein dürften.

Spins und Bias waren sehr häufig. In einem Drittel aller Studien hätten die Autoren an den primären Endpunkten „gedreht“, beklagt Studienleiter Ian Tannock, ein leitender Onkologe am Princess Margaret Cancer Centre in Toronto. Bei der Angabe der Toxizität wurde sogar in 67 Prozent beschönigt. Die Tricks sind immer die gleichen.

Wenn das Ergebnis nicht den Erwartungen entspricht, wird der primäre Endpunkt verändert. Häufig ist der Wechsel von der unbestechlichen Überlebensrate oder -zeit, auf das progressionsfreie Überleben oder andere „weiche“ Endpunkte, deren Definition einen Interpretationsspielraum ermöglicht. Bei den Nebenwirkungen wird gerne auf eine Differenzierung nach verschiedenen Schweregraden verzichtet. Nur ein Drittel der untersuchten Studien spezifizierte die Häufigkeit von Grad 3- oder Grad 4-Toxizitäten.

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Dass immer noch unsauber publiziert wird, ist erstaunlich, da es inzwischen klare Leitlinien wie das CONSORT-Statement gibt, deren Einhaltung auch von den publizierenden Journalen versprochen wird. Hinzu kommt die Registrierungspflicht der Studien. Sie zwingt die Autoren, die primären und sekundären Endpunkte vor Beginn der Studie anzugeben. Damit lassen sich Abweichungen von den ursprünglichen Absichten leicht erkennen, und die Analyse von Tannock dürfte nicht die letzte ihrer Art gewesen sein.

Gedreht wurde übrigens nicht nur an den Ergebnissen von industriegesponserten Studien. Neben dem wirtschaftlichen Interesse der Arzneimittelhersteller dürfte auch der Wunsch der Wissenschaftler, ihre Karriere zu befördern ein wichtiges Motiv gewesen sein. Denn in der Medizin gilt weiterhin „Nur wer schreibt, der bleibt“, und auch die Journale haben ein Interesse daran, ihren Citation-Index durch die Publikation erfolgreicher Studien zu verbessern. Die Transparenz macht es leichter, die Spins und Bias zu erkennen, abstellen lassen sie sich aber vermutlich nicht.

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