Dr. McCoy

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In seinem Blog – benannt nach dem Bordarzt von „Raumschiff Enterprise“ – kümmert sich Philipp Stachwitz weniger um ferne Galaxien, sondern er kommentiert, wie die Zukunft der Medizin durch Telematik und E-Health beeinflusst wird. Als Anästhesist und ehemaliger stellvertretender Dezernent für Telematik der Bundes­ärzte­kammer kennt der heute ambulant tätige Schmerztherapeut und E-Health-Experte die Materie gleichermaßen und gleichzeitig aus der Praxis wie auch aus der Politik.".

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Dr. McCoy

SMS-Konsil

Montag, 28. Januar 2013

Juchu! In unserem KIS kann ich jetzt Konsilanforderungen elektronisch erzeugen. Kein Zettel mehr mit Durchschlag. Keine krakelige Handschrift mehr (für die mich dann der Konsiliarius mit unverständlichen Hieroglyphen bestraft). Und ich muss auch nichts mehr faxen an eine Nummer, die ich schon wieder vergessen habe und deren Beschaffung mich mehr Zeit kostet als das Abfassen der ganzen Konsilanfrage. Computer sind toll.

Also, frisch ans Werk! Ich beginne zu tippen: „Patientin mit...“. Da lese ich unter dem Feld für die Texteingabe: „Sie haben noch 282 Zeichen“. Gut, ich tippe erst einmal weiter. „...chronischen Rückenschmerzen im Bereich der LWS“. Jetzt steht unter meinem Text: „Sie haben noch 236 Zeichen“. Das kann ja heiter werden! Ich werde unruhig und beginne schon mal zu kürzen: „Pat. m. chron. RS d. LWS“. „Sie haben noch 271 Zeichen“. Sehr gut! 35 Zeichen gespart! Aber – versteht der Kollege „RS“? Vielleicht schreibe ich besser „Lumbago“? Das ist gut! Das sind sogar zwei Zeichen weniger als „RS d. LWS“. Wenn ich allerdings auf die Leerstellen verzichte, macht es keinen Unterschied. Und außerdem, streng genommen handelt es sich ja um eine Lumboischialgie – die Rückenschmerzen strahlen nämlich aus. Aber „Lumboischialgie“ – das sind ja 15 Zeichen! Das kann ich mir nicht leisten. Denn die Sache ist komplex, mit langer Vorgeschichte. Und wenn ich schon so weitschweifig anfange, wie soll ich da mit 295 Zeichen hinkommen?

Ich weiß es nicht. Resigniert lösche ich das bisher Geschriebene und tippe: „Lieber Kollege, wir kommen nicht weiter. Helfen Sie uns doch bitte. Wenn Sie mehr wissen wollen zu Anamnese, bisherigem Verlauf und Befunden, rufen Sie mich einfach an oder schauen Sie selbst in die Akte. Da steht alles drin.“ Jetzt hab ich sogar noch 70 Zeichen über.

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Das reicht für eine ausführliche höfliche Grußformel am Schluss: „Mit Dank im Voraus und besten kollegialen Grüßen, Ihr Dr. P. Stachwitz“

295 Zeichen – Perfekt!

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Avatar #651373
Dr. McCoy
am Freitag, 15. Februar 2013, 22:45

Achtung Satire!

Da bin ich wohl etwas weit gegangen in meinem Bestreben, mal wasSsatirisches schreiben zu wollen.

295 Zeichen sind zu wenig, um eine vernünftige Konsilanfrage an jemanden zu stellen, von dem ich Hilfe will und der zu Recht einen vernünftigen Text erwarten kann. Das war das, was ich darstellen wollte.

Die Konsilanfrage in meinem Text ist natürlich - Achtung Satire! - nur ausgedacht. Sie wäre in der Tat eine "Unverschaemtheit" und würde wohl nicht nur bei elisse zu Ablehnung oder bestenfalls zu einem erbosten Anruf führen.

Das Thema Arztbrief hatte im Übrigen gar nicht erwähnt. Dafür haben wir aber auch mehr als 295 Zeichen. Der ist aber auch nicht elektronisch sondern wird schön ausgedruckt und per Post verschickt.
Avatar #88599
elisse
am Sonntag, 10. Februar 2013, 23:35

Unverschaemtheit

Ich bin als Frauenarzt in Namibia taetig, wo ich ausser in
Notfaellen nicht verpflichtet bin, eine Patientin
anzunehmen, und wuerde auf so eine SMS nur kurz antworten,
dass es noch 9 andere Frauenaerzte gibt.

Vermutlich ist der Kollege "Stachwitz" aber selbst Facharzt
und aergert sich ueber solche dreisten Konsilanfragen :-)-O

Ich schaffe es fast immer, meine Briefe auf eine Seite zu
bekommen. Wenn noetig, haenge ich den OP Bericht und die
Histologie dran, und Laborergebnisse kann ich in
uebersichtlicher Tabellenform ebenfalls beifuegen. Das muss
man nicht alles diktieren.

mfg, el
Avatar #98372
Thelber
am Montag, 28. Januar 2013, 14:33

Na, das ist doch schon mal ein Anfang !

Ich bin auch immer für kurze, aber bitte verständliche Briefe.
- - Anamnese: ist mir ja meistens bekann, kann daher gerne drauf veriesen werden
- - Befund: ist mir schon wichtiger. Aber "alles normale" kann das weg, mir reichen dieas pathologischen Befunde.
- - Diagnose: Nein, darauf mag ich nicht verzichten. Netterweise gerne mit ICD-Schlüssel
- - Therapieempfehlung: Ja, die will ich haben, darum geht es mir eigentlich. Gerne auch mit Empfehlungen, was noch in der Hinterhand möglich wäre, falls die primären Maünahmen nicht hinriechend wirksam.

Das alles nicht zu ausführlich, auf Prosa verzichte ich gerne. Die Idee mit begrenzeten Zeichen ist da gar nicht so schlecht. ;-)

Zur Nachahmung empfohlen.
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