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Von Norddeutschland nach Nordengland. Ladydoc wagt im Königreich den Blick über den Tellerrand. Hier bloggt sie über ihre Erlebnisse als „Trainee“ in der Psychiatrie.

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Sprechen Sie Englisch?

Mittwoch, 6. März 2013

„Das ist aber mutig“, hörte ich mehrmals, als ich meine Pläne, vorübergehend in die englische Psychiatrie zu wechseln, preisgab. Diese Kommentare bezogen sich vor allem auf die sprachliche Herausforderung, welche die Psychiatrie einem mehr als andere medizinischen Spezialisierungen abverlangt. Und obwohl ich recht zuversichtlich mit jahrelangem Schulenglisch und einem Highschool-Jahr in Amerika im Rücken begann, muss ich mittlerweile zugeben, dass die Feinheiten der Sprache manchmal doch untergehen.

Vor allem da im Norden Englands mit starkem Akzent gesprochen wird, und es viel „Slang“ gibt, an den ich mich gewöhnen musste. Andererseits habe ich zahlreiche psychiatrische Kollegen, die ebenfalls keine Muttersprachler sind. Formale Voraussetzung ist der Nachweis englischer Sprachkenntnisse durch Resultate von mindestens 7 Punkten in allen Bereichen des IELTS (International English Language Testing System) für diejenigen, die nicht auf Englisch studiert haben. Alternativ kommt ein Brief von einem englischen Supervisor / Arbeitgeber infrage, der ausreichende Englischkenntnisse bescheinigt.

In meinem Fall schickte ich das Ergebnis eines Sprachtests, den ich an der Uni einmal gemacht hatte, mit der Bewerbung, was anstandslos akzeptiert wurde. Zumal sowieso bei der persönlichen Vorstellung die Englisch-Kenntnisse getestet werden (Aufsatz schreiben, Behandlung eines Schauspielpatienten etc.).

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Bei den Briten, ist mein Eindruck, kommt vereinzelt schon subtile „Genervtheit“ auf, wenn beispiels­weise bei den wöchentlichen Fortbildungen jemand mit sehr starkem Akzent spricht. Ich fühlte mich ein bisschen an Beobachtungen eines nicht-deutsch-muttersprachlichen ärztlichen Kollegen in Deutschland erinnert, dessen Diktate die Sekretärinnen immer leicht gequält entgegennahmen, weil es ihnen sehr schwerfiel, den Inhalt bezüglich Ausdruck und Grammatik in Form zu bringen. Jetzt bin ich die Auslän­derin und habe manchmal ein bisschen Mitleid mit meiner Sekretärin. Was die Patienten angeht, sind die meisten eigentlich recht milde gestimmt, wenn ich gelegentlich nachfrage, wenn ich mal etwas nicht verstanden habe und sogar neugierig.

Mein Akzent wurde schon Amerika, Schweden, Island, Neuseeland oder Australien zugeordnet. Dass ich Deutsche bin, darauf kam praktisch niemand auf Anhieb. Einmal schimpfte ein Patient darauf, dass ich ja „nicht mal Britisch“ sei, nachdem ich ihn nicht verstanden hatte. Aber das ging in all den anderen Beschimpfungen davor und danach gegenüber sämtlichen umstehenden Personen unter. Und was ich nach einigen Monaten Praxis mit Sicherheit sagen kann: sprachlich gewöhnt man sich schnell ein.

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