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Von Norddeutschland nach Nordengland. Ladydoc wagt im Königreich den Blick über den Tellerrand. Hier bloggt sie über ihre Erlebnisse als „Trainee“ in der Psychiatrie.

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Ärzte TÜV

Dienstag, 19. März 2013

Ganz genau, nicht nur Autos kann man zum TÜV schicken, seit Dezember 2012 werden auch Ärzte in Großbritannien alle paar Jahre durchgecheckt. Genannt wird das rund 230.000 Mediziner betreffende Mammut Projekt: „Revalidation“. Damit sind die Briten, wie ich einem Spiegel Artikel (48/2012) entnahm, weltweit wohl absolute Vorreiter und brechen damit eine „Ära britischer Qualitätsmedizin“ an, ich zitiere: „Pfusch, Schlendrian und ärztliche Überheblichkeit hofft Gesundheits-Staatssekretär Dan Poulter, 34, auf diese Weise niederzukämpfen.“ Klingt gut, aber wie soll das funktionieren? Aus meiner Sicht kamen erst einmal stapelweise Papiere vom General Medical Council (GMC, dem britischen Äquivalent zur Bundes­ärzte­kammer).

Zuerst, was ist Revalidation? Dann, bald beginnt Revalidation! Darauf, registrieren sie sich für Revalidation! Schließlich, Revalidation hat begonnen! Bisher ist noch nichts weiter passiert, aber ernst zu nehmen, ist dies in der Tat. Dem GMC wird man nämlich unter anderem durch sein Portfolio (über welches ich hier schon einmal berichtete: http://www.aerzteblatt.de/blog/52537/Portfolio-Das-macht-man-so) Rechenschaft ablegen müssen: Darüber, ob man sich fortbildet, ausreichend reflektiert oder wie man von Kollegen und Patienten beurteilt wird. Kurz, ob man den Richtlinien „guter medizinischer Praxis“ folgt.

Üblicherweise erfolgt diese Bewertung über den Arbeitgeber (sofern man in England tätig ist), bzw. über einen benannten „Responsible Officer“. Soweit ich mitbekomme, sammeln die Ärzte um mich herum – wir Trainees ja sowieso – fleißig Nachweise und zittern auch teilweise. Denn sollte die Revalidation Zweifel an der Fachkompetenz aufkommen lassen, kann das im schlimmsten Fall nach Ablauf einer Frist, um sich zu verbessern, zum Verlust der Approbation führen.

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Patienten sind übrigens aufgefordert, Feedback über ihre Ärzte einzuschicken und auch die Ärzte selbst sollen Aufschluss über erhaltene Beschwerden oder Komplimente geben. Bis 2016 soll der Großteil der Ärzte für die erste 5-Jahres Periode revalidiert sein. Nachdem auch ich mich für die Revalidation registriert habe, bin ich gespannt wie das weitergeht. Im Briefkasten ist noch Platz.

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Avatar #664343
Doosie
am Mittwoch, 3. April 2013, 09:30

Appraisal nicht zu vergessen ...

Das jährliche Appraisal fand ich auch schon immer sehr aufwendig und habe mich nach 8 Jahren Tätigkeit als Locum GP in diesem Jahr erstmals dagegen entschieden. Damit werde ich wohl nicht mehr auf der PCT - Liste bleiben und was es dann mit dem Revalidation wird? Post habe ich dazu auch schon kiloweise bekommen.
Und ich dachte immer, in Deutschland ginge es bürokratisch zu! Seit ich in Großbritannien gearbeitet habe - immerhin seit 2004 - weiß ich, daß die Briten das noch besser können. Hätte ich nie gedacht!
LNS
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