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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Wie man im Schlaf das Gedächtnis massiert

Montag, 15. April 2013

Es soll ja Studenten geben, die sich nachts die Aufzeichnungen der Vorlesung (oder zeitgemäßer einen Podcast) anhören, um den Inhalt besser zu memorieren. Die Wirkung besteht meistens darin, dass sie am nächsten Tag nicht ausgeschlafen sind und sich bei der Vorlesung erneut nicht konzentrieren können. Dennoch steht für Neurowissenschaftler fest, dass der Mensch in der Nacht lernt. Während des Tiefschlafs wird das Kurzzeitgedächtnis verwaltet und einige Inhalte ins Langzeitgedächtnis übertragen. Es lässt sich nur nicht steuern, welche dies sind. Wer regelmäßig Vorlesungen verpasst, weil er am Abend aufregende Partys erlebt hat, wird später möglicherweise viele angenehme Erinnerungen an die Zeit seines Studiums haben, doch leider keinen Abschluss.

Ob die Lernmaschine daran etwas ändern kann, die Wissenschaftler der Universität Tübingen entwickelt haben? Das Gerät soll die langsamen Hirnwellen verstärken, die im Tiefschlaf anzeigen, dass das Gehirn gerade mit der Konsolidierung von Gedächtnisinhalten beschäftigt ist. Eine Verstärkung der Hirnwellen ist laut Jan Born vom Institut für Medizinische Psychologie der Universität Tübingen durch eine sogenannte „Geräuschmassage“ möglich.

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Zusammen mit Forscher der Universität Lübeck hat Born ein Gerät entwickelt, das das Gehirn mit Geräusche beschallt, die mit dem Rhythmus der langsamen Hirnwellen synchronisiert waren. Nach den jetzt publizierten Ergebnissen wird tatsächlich eine Wirkung erzielt. Elf Personen verbrachten nach dem Vokabellernen die Nacht im Schlaflabor, wo sie während des Schlafes mit Geräuschstimulationen in unterschiedlichen Rhythmen ausgesetzt waren.

Einmal waren die Geräusche mit den Rhythmus der langsamen Hirnwellen synchronisiert, das andere Mal nicht. Laut der Publikation konnten sich die Studienteilnehmer am Morgen besser an die gelernten Wortpaare erinnern, wenn der Rhythmus der Geräusche mit den Hirnwellen synchronisiert war.

Dabei kam es auf das richtige Timing an. Am besten sei die Wirkung, wenn die akustischen Stimuli immer dann präsentiert wurden, während die langsame Hirnwelle ihren Höhepunkt erreicht hatte, berichten die Forscher. Dann könne die Schwingung durch das akustische Signal verstärken werden. Die Schwingungsamplitude werde vergrößert und verbreitert. Ob das außerhalb des Labors funktioniert, müssen weitere Studien zeigen.

Die Wissenschaftler hoffen, dass der Ansatz allgemein zur Verbesserung des Schlafs eingesetzt werden könnte. Vielleicht könnten andere Rhythmen das Gehirn auch tagsüber verstärken. Born hält es nicht für ausgeschlossen, mittels einer leisen Beschallung die Aufmerksamkeit der Menschen zu verstärken. Vielleicht sieht man ja demnächst Studenten in der Vorlesung, deren Kopf mit EEG-Elektroden verdrahtet ist, während der iPod die Hirnwellen synchronisiert. Wie sie dabei aber noch der Vorlesung folgen sollen, ist schwer vorstellbar.

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