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Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skurril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbergen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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Süßgetränke erhöhen Diabetesrisiko

Montag, 29. April 2013

Dass zu viel Zucker auf Dauer zuckerkrank macht, sollte eigentlich auf der Hand liegen. Ebenso einleuchtend ist, dass mit Süßgetränken zugenommene Kalorien überzählige Kalorien sind, denn Getränke führen zu einer geringeren Sättigung als feste Speisen. Zuckerhaltige Süßgetränke verstärken häufig noch den Durst, was die Aufnahme weiterer Kalorien zur Folge haben kann. In den USA soll die Bevölkerung bereits 10 Prozent der Kalorienmenge in flüssiger Form zu sich nehmen. In Europa soll der Anteil erst 2,5 Prozent betragen, allerdings mit steigender Tendenz.

Eine Reihe epidemiologischer Studien hat eine signifikante Assoziation zwischen dem Konsum von Süßgetränken und Neuerkrankungen am Typ 2-Diabetes gefunden. Zuletzt hatte das Team um Frank Hu von der Harvard School of Public Health in Boston die Ergebnisse von 11 prospektiven Kohortenstudien zusammengefasst. Danach haben Personen, die ein bis zwei Getränke am Tag konsumieren, ein um 26 Prozent erhöhtes Erkrankungsrisiko (Diabetes Care 2013; 33: 2477–2483). Hu stützte sich überwiegend auf US-Studien. Dass die Situation in Europa ähnlich ist, dürfte eigentlich nicht verwundern, werden hierzulande doch die gleichen Getränke, wenn auch in geringerer Menge konsumiert.  

Das InterAct Consortium um Dora Romaguera vom Imperial College in London kommt jetzt auf der Basis der EPIC-Studie zu dem Ergebnis, dass der tägliche Konsum einer Limonade in der üblichen Flaschengröße von 12 Ounce (0,336 Liter) das Risiko auf einen Typ 2-Diabetes um 22 Prozent erhöht. Nach der Berücksichtigung der Begleitfaktoren war das Risiko immer noch um 18 Prozent erhöht. Zu den unabhängigen Risikofaktoren zählt die Adipositas. Dass die Adipositas eine mögliche Ursache (unabhängiger Risikofaktor) des Typ 2-Diabetes ist, darf man bezweifeln, da Patienten, die sich einer bariatrischen Operation unterziehen in der Regel von ihrem Typ 2-Diabetes befreit werden, noch bevor sie überhaupt abnehmen.   

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Dieser Punkt ist für die Interpretation eines weiteren Ergebnisses von Romaguera wichtig. Die Epide­miologin fand nämlich auch für kalorienfreie Süßgetränke eine Assoziation. Pro täglichem Getränk erhöhte sich das Diabetesrisiko um 52 Prozent, also stärker noch als durch die Zuckergetränke. Die künstlich gesüßten Getränke werden allerdings überwiegend von Menschen mit Gewichtsproblemen konsumiert. Deshalb verschwand die Assoziation, wenn dieses (vermeintlich) unabhängige Risiko in der Berechnung einbezogen wurde.    

Dass kalorienfreie Süßgetränke das Diabetesrisiko erhöhen, erscheint in der Tat unsinnig. Wahrscheinlicher ist, dass der Konsum der „Light“-Getränke ein Marker für die „Zuckersucht“ vieler Menschen ist, die sie in anderen Bereichen auch durch kalorienreiche Zuckerspeisen bedienen. Zuckerfreie Getränke sind auch kein überzeugendes Diätmittel. In zwei randomisierten Studien an Kindern und Jugendlichen konnte die Gewichtszunahme zwar verlangsamt werden, einen durchschlagenden Erfolg erzielten die Null-Kalorien-Getränke jedoch nicht.

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