Res medica, res publica

Res medica, res publica

Gesundheit ist eine öffentliche Sache. Das war schon 1907 so, als William Ewart seine Antrittsvorlesung am St. George's Hospital in London unter den Titel "Res medica, res publica" stellte. Wo muss der Staat handeln und wie? Was bedeuten gesundheitspolitische Vorschläge, wenn man sie zu Ende denkt? Gedanken dazu von Heinz Stüwe, Fachjournalist für Wirtschaft, Sozial- und Gesundheitspolitik.

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Res medica, res publica

Platter Vorwurf

Mittwoch, 29. Mai 2013

„Ärzte kämpfen an der Seite der Koalition“. Das verbreitete die Deutsche Presseagentur vom 116. Deutschen Ärztetag in Hannover. Ergreift die verfasste Ärzteschaft im Wahlkampf Partei für Schwarz-Gelb, weil sie die Bürgerversicherung mehrheitlich ablehnt? Das ist doch allzu platt. Die Reformskizze zur Einnahmenseite der Kran­ken­ver­siche­rung, die der Ärztetag mit großer Mehrheit befürwortet hat, lohnt eine genauere Betrachtung.

Es geht doch nicht darum, welches Element in welchem Parteiprogramm steht. Vielmehr muss es darum gehen, dass die Einnahmenseite der Kran­ken­ver­siche­rung verlässlich, generationengerecht, demografiefest und sozial gerecht ausgestaltet wird. Ein einkommensunabhängiger Beitrag der Versicherten, wie ihn die BÄK vorschlägt, kann eine verlässliche Basis bilden. Denn dieser stützt sich nicht wie die GKV heute allein auf das Arbeitseinkommen.

Eine unsoziale Kopfpauschale sei das, schimpfen Kritiker. Dabei vergessen sie, dass Ökonomen schon seit langem fordern, die Solidarität der Einkommensstarken mit den Einkommensschwachen, die heute in der GKV eingebaut ist, in das Steuersystem zu verlagern. Denn die heutige Umverteilung innerhalb der GKV sei nicht transparent und nicht zielgenau.   

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Dem trägt das BÄK-Modell mit einem Sozialausgleich aus Steuermitteln Rechnung. Der wäre sozial gerecht, sofern das Geld aus der progressiven Einkommensteuer stammt. Eine andere Frage ist, ob die nötigen Gelder vom Staat auch bereitgestellt werden.

Das gilt ebenso für den Vorschlag, für alle in Deutschland geborenen Kinder ein Gesundheitssparkonto aufzubauen, auch aus Steuermitteln. Damit soll die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung durch ein Element der Kapitaldeckung besser auf den demografischen Wandel vorbereitet werden. Und das wäre ein echter Fortschritt.

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 8. Juni 2013, 19:35

Henry the 8th...

nennen Sie sich glücklicherweise nicht, Henry I. Sonst müsste ich ja um mein Leben bangen.

Aber Ihre Nähe zum verstorbenen US-Senator McCarthy können Sie kaum verleugnen. Seine antikommunistische Hexenjagd bezog sich u. A. auf jegliche Art von kritischem Denken und eigenständiger Meinungsbildung. Dies setzte sich historisch in einer Kette von illegalen und antidemokratischen Skandalen in verschiedenen US-Regierungen fort ("vom Watergate zum Waterboarding").

Aber wo finde ich nur das BILD "der von grossen Teilen der Mainstreampresse betriebenen sozialistischen Zersetzungskampagne", wenn doch Schwarz-Gelb regiert? MfG
Avatar #103070
Henry I
am Freitag, 31. Mai 2013, 18:59

Dr. med. Thomas G. Schätzler übertreibt ein wenig...

Herr Kollege, sozialistischen Einheitsbrei bereits in den Anfängen zu vereiteln, muss das Ziel jedes verantwortungsbewussten Bürgers sein, nicht nur das der Ärzte.
Aus trauriger und schmerzhafter Erfahrung wissen viele Menschen, dass eine Gesellschaft nur so frei sein kann, wie ihr Antikommunismus vital bleibt.
Daraus eine "Kumpanei mit Schwarz-Gelb" zu machen, wie es die dpa getan hat, passt hervorragend ins Bild der von grossen Teilen der Mainstreampresse betriebenen sozialistischen Zersetzungskampagne.
Sehr viele Kollegen mögen in vielerlei Hinsicht nicht alle Aspekte von Schwarz-Gelb mittragen, tun dieses jedoch wohl oder übel aus Mangel an Alternativen.
Kein vernunftig denkender Mensch wird annehmen, dass Rot-Grün+- Stasirot irgendein ernsthaftes Interesse an der Verbesserung der Gesundheitsfürsorge in Deutschland hat - noch in irgendeiner anderen Hinsicht eine demokratische Alternative darstellen.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 30. Mai 2013, 17:16

dpa-Vorwurf der Kumpanei mit Schwarz-Gelb berechtigt

Was die Deutsche Presseagentur -dpa- vom 116. Deutschen Ärztetag (DÄT) in Hannover verbreitet, ist nur zutreffend. Nach Ausflügen in die Medizinische Ethik mit einem Vortrag des Freiburger Professor Dr. med. Giovanni Maio und 'Krokodilstränen' der DÄT-Delegierten über Armut und Benachteiligungen bei Gesundheit und Krankheit in Deutschland, hat man sich augenblicklich wieder der Monetik zugewandt. Z. B. mehr Stellen im Öffentlichen Gesundheitsdienst gefordert. Der BÄK-Präsident Professor Dr. med. Frank Ulrich Montgomery warnte vor einem "Sozialistischen Einheitsbrei" bei der "Bürgerversicherung":
Vgl. Schätzlers Schafott
http://www.springermedizin.de/wir-wollen-n-i-c-h-t-einen-sozialistischen-einheitsbrei/4437314.html

Der DÄT wird vom BÄK-Vorstand auf eine Wahlkampfhilfe für Schwarz-Gelb eingeschworen. Die mehrheitlich geforderte "einkommensunabhängige Gesundheitspauschale" als Kran­ken­ver­siche­rung der Zukunft fordert, dass Auszubildende mit 700 bis 1.000 € mtl. genauso viel einzahlen müssen, wie ein(e) GKV-Kassen-Vorstandsvorsitzende(r), der(die) mit 20.000 € nach Hause geht. Alle finanzieren mit 200-250 € Einheitspauschale monatlich eine möglichst noch profitorientierte Kran­ken­ver­siche­rungs-AG - fertig ist eine Umverteilungsmaschinerie von Unten nach Oben mit verfassungswidriger Kopfpauschale, an der bereits ein Ex-Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Dr. med. Philipp Rösler auf die Nase gefallen ist.

Es ist beim DÄT wie beim guten alten Dr. Eisenbarth: "Kann machen, dass die Blinden gehen und dass die Lahmen wieder sehen"!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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