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Das lange Warten

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In Deutschland warten rund 12.000 Menschen auf ein Organ. Einer von ihnen ist Paul Behrend. DÄ-Redakteurin Gisela Klinkhammer begleitet Behrend während seiner Wartezeit auf eine Niere. Sie berichtet regelmäßig in diesem Blog über das (hoffentlich nicht allzu) lange Warten auf das Organ, wie Behrend psychisch damit umgeht und über seine aktuelle gesundheitliche Befindlichkeit.

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Das lange Warten

Die Monotonie eines Sechs-Stunden-Dialysetages

Dienstag, 25. Juni 2013

Ein Problem, das die Dialyse mit sich bringt, ist die Monotonie. „Sechs Stunden am helllichten Tag liegen, das bringt eine ganze Menge Langeweile mit sich“, sagt Paul Behrend. Er schildert den Verlauf eines solchen Tages: „Nach meiner Ankunft werde ich erst mal angehängt. Das dauert, wenn alles glatt läuft, etwa eine Viertelstunde. Dann wird mehrmals der Blutdruck gemessen. Wenn alle Patienten angehängt sind, kehrt etwas Ruhe ein und es gibt etwas zu essen und zu trinken. Das ist natürlich limitiert, weil die Dialysepatienten begrenzte Trinkmengen haben.

Jeder Patient muss selbst kontrollieren, diese nicht zu überschreiten. Nur bei völlig uneinsichtigen Patienten kümmert sich das Pflegepersonal darum.“ Behrend isst in der Regel ein belegtes Brötchen und trinkt eine Tasse Kaffee dazu. „Die Teller und Tassen werden abgeräumt. Und dann ist erst mal Ruhe“, berichtet er weiter. „Es passiert eigentlich gar nichts mehr. Ab und zu kommt mal jemand vorbei und überprüft die Geräte.“

Die Maschinendaten würden gleichzeitig aber auch über den Computer abgefragt. „Und dann liegen Sie da und müssen sich die Zeit vertreiben.“ Behrend beschäftigt sich viel mit seinem Smartphone. Das sei einfacher als der Umgang mit dem Laptop, weil man das Handy mit einer Hand bedienen könne. Behrend plant, sich demnächst ein Tablet-PC anzuschaffen, weil dies etwas größer als ein Smartphone sei und leicht mit einer Hand bedient werden könnte.

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Man habe selbstverständlich auch die Möglichkeit, Fernsehen zu schauen. Die „Krawallsendungen“, die oft nachmittags ausgestrahlt würden, seien aber nichts für ihn, betont Behrend. „Für mich ist Fernsehen interessant, wenn ein Fußballspiel kommt. Ich freue mich auch auf gute Dokumentarsendungen. Die tägliche Tagesschau ist natürlich Pflicht.“

Aber: „Ab der Stunde vier schaue ich alle zehn Minuten auf die Uhr und hoffe, dass die Dialyse endlich vorbei ist.“ Besonders schlimm ist es im Sommer. „Da wissen Sie nach vier Stunden nicht mehr genau, was der Frotteebezug und was Ihre Haut ist. Man kann einfach nicht mehr liegen. Dann freut man sich, wenn endlich die Schwester kommt und anfängt, die Vorkehrungen zum Abhängen zu treffen.“ Und obwohl er weiß, dass die Dialyse für ihn lebenswichtig ist, denkt Behrend dann manchmal: „Mensch, warum liegst du hier? Man könnte so viele tolle Dinge machen und du musst jetzt hier wieder deine Stunden abreißen. Aber damit müsse er eben zurechtkommen.

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