Studierender Blick

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Medizin studieren im Alltag - zwischen universitärem Leben und der (Un)Gewissheit über Zukunftsperspektiven. Hormos Dafsari debattiert, was sich in den Köpfen der Zukunft abspielen mag, auch wenn es mal herkömmlicher Natur ist.

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Studierender Blick

Lernen und Vergessen

Montag, 24. Juni 2013

Neulich beim Lernen für eine Klausur kam mir dieselbe Frage nach dem Sinn, mit dem sich Studierende auf der ganzen Welt seit jeher beschäftigen. Es handelte sich bei jener Klausur um eine sehr praxisorientierte und in ihrem Aufbau elementare Klausur, dennoch hätte ich sie ohne ein herum­fliegendes Gedächtnisprotokoll bzw. einer Überlieferung aus einem vorigem Semester nicht bestehen können. Es mag daran liegen, dass jedes Fach einem etwas anderen Fragemodus folgt, und man sich erst auf diesen einstellen muss.

Andererseits gibt es immer einige Fragen in jeder Klausur, welche doch in Richtung Facharztwissen gehen und den Studierenden unangenehm überraschen. Vielleicht ist das ein Phänomen, welches erst mit der Selbstorganisation entstanden ist – wenn Studierende schwere Fragen öfters richtig ankreuzen, weil ihre Kommilitonen von diesen aus vorigen Semestern berichtet haben, denkt der Dozent vielleicht, „na, dann war das ja gar nicht so schwer" und setzt beim nächsten Mal einen drauf. Dass diese Logik sich sehr schnell in eine sehr befremdende Richtung katapultieren kann, ist schrecklicherweise
nachvollziehbar. Vielleicht spinne ich mir diese Theorie auch nur zusammen, wenngleich mir bewusst ist, dass sie stark vereinfacht ist.

Nichts desto trotz halte ich das Konzept einer summativen Prüfung, nämlich einer einzigen Klausur über ein jeweiliges Fach am Ende des Semesters, für ein Modestück der Vergangenheit. Im aktuellen Zeitgeist liegen interaktive und formative Prüfungen, wo der Dozent mit einer Kleingruppe die Klausurfragen bearbeitet, eine aktive Diskussion anstößt und dabei jeden bis zur letzten Reihe mitnimmt.

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Auf diese Art lerne ich persönlich nicht nur am einfachsten, sondern behalte auch längerfristig am meisten. Bei einer interaktiven Prüfung bekommt der Studierende sofort gesagt, ob dieser richtig lag. Das Konzept des direkten Feedbacks wird auch von uns in der ärztlichen Arbeitswelt erwartet (siehe CanMeds Rollen). Ich frage mich aber, wann lernen wir das in unserem Studium? Wieso beginnen wir damit nicht schon viel früher?

Leserkommentare

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Avatar #27228
chrysomallos
am Dienstag, 25. Juni 2013, 13:28

Wieso beginnen wir damit nicht schon viel früher?

Erst müssen Sie durch die schulmedizinische Indoktrination hindurch, wo selbständiges Denken eher unerwünscht ist und deshalb unterdrückt wird.

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