Dr. McCoy

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In seinem Blog – benannt nach dem Bordarzt von „Raumschiff Enterprise“ – kümmert sich Philipp Stachwitz weniger um ferne Galaxien, sondern er kommentiert, wie die Zukunft der Medizin durch Telematik und E-Health beeinflusst wird. Als Anästhesist und ehemaliger stellvertretender Dezernent für Telematik der Bundes­ärzte­kammer kennt der heute ambulant tätige Schmerztherapeut und E-Health-Experte die Materie gleichermaßen und gleichzeitig aus der Praxis wie auch aus der Politik.".

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Dr. McCoy

Blauäugig

Mittwoch, 19. Juni 2013

Ich muss mich doch sehr wundern, wie blauäugig viele Menschen sind. Seit Tagen nun schon greift die Aufregung um sich: Amerikanische Geheimdienste lesen unsere deutschen E-Mails. Wie unanständig! Da muss die Kanzlerin aber mal mit dem Präsidenten reden.

Was hatten denn all die, die jetzt empört tun (oder es gar wirklich sind?) gedacht, womit sich Geheimdienste sonst beschäftigen? Etwa damit, Zettel mit Geheimtinte zu beschreiben, um sie dann über einer Kerzenflamme wieder sichtbar zu machen? Haha.

Scherz beiseite. Noch schlimmer als die Empörung – ob nun gespielt oder echt – sind die Vorschläge von deutschen Innenpolitikern aus Regierung wie Opposition. Als Alternative zu Google (und anderen) sollen mit einem „dreistelligen Millionenbetrag“ staatlicher Gelder deutsche oder europäische Internetangebote entwickelt werden. Als Alternative. Zu Google!

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Google hat einen Marktwert von rund 250 Milliarden Dollar, mehr als 50.000 Mitarbeiter und ist in vielen Bereichen des Internet nahezu Monopolist. Solche Vorschläge sind also schlichtweg naiv. Schlimm ist nur, dass sie von Politikern kommen, die in solchen Fragen maßgeblich bestimmen, wie hierzulande die sog. Netzpolitik aussieht.

Wenn es denn die Politiker so juckt, der deutschen IT-Industrie Geld zu geben, hätte ich mal einen Vorschlag: Legen Sie doch ein staatliches Förderprogramm für IT-Sicherheit im Gesundheitswesen auf. Denn hier ist das Geld sicher gut investiert in Hard- und Software für Verschlüsselungs- und andere Sicherheitstechnologie, die sich derzeit weder Krankenhäuser noch Arztpraxen leisten können oder wollen.

Es fragt sich nur, ob dafür ein paar hundert Millionen Euro reichen werden. Und ob irgendwer die Sicherheitsdefizite in der Gesundheits-IT überhaupt öffentlich diskutiert haben möchte.

Wahrscheinlich liegen schon längst Patientendaten unverschlüsselt in der Dropbox-Cloud und ich selbst bin mal wieder viel zu blauäugig.

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